Hans Sünkel

Nur wenigen ist es vergönnt als Anerkennung ihrer wissenschaftlichen Leistungen auch außerirdisch geehrt zu werden. Hans Sünkel, Rektor der Technischen Universität Graz und Professor für Geophysik und Geodäsie, widerfuhr diese Ehre 2006, als ein 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernter Planet nach ihm benannt wurde.

Bereits Ende der 90er Jahre stellte Sünkel ein GPS-Ortungssystem vor, das sich durch sehr hohe Genauigkeit auszeichnete. Waren bis dahin Ungenauigkeiten von 300 Metern üblich, reduzierte sie Sünkel auf mehrere Zentimeter. Er beteiligte sich auch maßgeblich an GOCE (Gravity Field and Steady-State Ocean Circulation Mission), einer der technologisch anspruchsvollsten Missionen, die jemals von der Europäischen Weltraumagentur (ESA) durchgeführt wurden. Mittels Satelliten soll ein neues, sehr genaues Modell des Gravitationsfeldes der Erde erstellt werden. Der etwa 800 Kilogramm schwere und vier Meter lange Satellit operiert in etwa 250 km Höhe, einer extrem niedrigen und bisher noch nie gefl ogenen Umlaufbahn. Der noch vorhandene minimale Luftwiderstand und andere Störeinfl üsse wie etwa der Strahlungsdruck der Sonne werden durch das ausgeklügelte System eines extrem sensiblen Ionenstrahl-Antriebs kompensiert, sodass der Satellit letztlich exakt die Bahn eines freien Falls um die Erde fliegt. Die Bahnbestimmung erfolgt dabei mit einer Genauigkeit von etwa einem Zentimeter in alle drei Raumrichtungen. Die von GOCE durchgeführte Vermessung des Gravitationsfeldes der Erde wird unter anderem Aufschluss über die physikalischen Zusammenhänge im Inneren der Erde geben. Gleichzeitig sollen neue Erkenntnisse über die Zirkulation der Weltmeere gewonnen werden.

Sünkel, der von 1968 bis 1973 an der damaligen Technischen Hochschule Graz Vermessungswesen studierte und mit Auszeichnung abschloss, ging danach an die Ohio State University, dann kehrte als Assistent nach Graz zurück, wo er sich 1981 habilitierte. 1983 erfolgte die Berufung zum Ordentlichen Universitätsprofessor. Seit 1990 leitet Sünkel die Abteilung für Satellitengeodäsie des Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, dessen Direktor er 2001 wurde. Er trat die Nachfolge von Willibald Riedler (Wilhelm-Exner-Medaille 1992) an. Seit 2003 ist Sünkel Rektor der Technischen Universität Graz, nachdem er zuvor seit dem Jahr 2000 Vizerektor für Forschung und stellvertretender Rektor gewesen ist.