Ferdinand Piëch

Als Dritter in der Reihe der aus den Familien Porsche und Piëch stammenden Wilhelm-Exner-Preisträgern erfuhr Ferdinand Piëch, der Enkel des 1936 mit der Wilhelm-Exner-Medaille ausgezeichneten Ferdinand Porsche und Neffe des 1979 geehrten Ferry Porsche, die Ehrung durch den Österreichischen Gewerbeverein aufgrund seiner innovativen Leistungen im Automobilbau.

Piëch gilt derzeit aufgrund seiner technischen und wirtschaftlichen Leistungen als eine der bemerkenswertesten und bedeutendsten Persönlichkeiten im Bereich der Fahrzeugkonstruktion und des Managements. Oberstes Ziel war es immer, seine zukunftsträchtigen Ideen von modernster Technik für menschenorientierte Vorteile im Alltag nutzbar zu machen. Nach Beendigung seines Studiums der Ingenieurwissenschaften an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich 1962 ging er zunächst als Ingenieur zu Porsche nach Stuttgart-Zuffenhausen. Piëch startete seine Laufbahn als Sachbearbeiter in der Versuchsabteilung. Im Jahr 1966 wurde er bereits Leiter der Versuchsabteilung und weitere zwei Jahre später stand er der Entwicklungsabteilung vor. 1971 wurde Piëch Technischer Geschäftsführer bei Porsche. Im Jahr darauf wechselte er zu Audi NSU Auto Union. Bevor er 1988 zum Vorsitzenden des Vorstandes bei Audi AG, das Unternehmen hatte sich zwischenzeitlich umbenannt, berufen wurde, war er in unterschiedlichen leitenden Funktionen tätig.

Auf Piëch, der wie alle anderen Wilhelm-Exner-Medaillenträger seiner Familie sowohl als Konstrukteur als auch als Unternehmer erfolgreich war, geht eine Vielzahl an technischen Innovationen im Automobilbau zurück: Untrennbar mit seinem Namen verbunden sind der von ihm für Audi entwickelte völlig neue Allradantrieb, die Einführung von Leichtmetallwerkstoffen für den Bau von Karosserien, das 3-Liter Auto für VW und die TDI-Dieselmotoren. Die Abkürzung TDI steht für "Turbocharged Direct Injection" und stellte einen Meilenstein in der Entwicklung von Dieselmotoren dar. Das erste mit einem TDI-Dieselmotor ausgestattete Fahrzeug war ein Audi 100 C3, der 1989 auf der Internationalen Automo bilausstellung IAA in Frankfurt vorgestellt wurde. Der Wagen setzte die Fachwelt mit seinen Fahrleistungen in Erstaunen, nämlich dem ungewohnt hohen Drehmoment auch in tiefen Drehzahlbereichen, sowie mit seinen niedrigen Verbrauchswerten, die bei einem Fahrzeuggewicht von rund 1500 Kilogramm fünfeinhalb bis sechs Liter ausmachten. Mittlerweile kommen TDI-Dieselmotoren nicht nur bei Audi, sondern auch bei VW und den Konzerntöchtern Seat und Skoda zum Einsatz. Ferdinand Piëch verhalf der Marke Audi zu höherer Akzeptanz und mehr Attraktivität, er machte sie aufgrund seines technischen und kaufmännischen Innovationsgeistes zu einer Premiummarke.

Im Jahr 1992 wechselte Ferdinand Piëch in den Vorstand der Volkswagen AG. Ein Jahr darauf berief ihn der Aufsichtsrat zum Vorstandsvorsitzenden. Er wurde bei VW zur Führungsperson eines Unternehmens, das Schwierigkeiten hatte, seine Autos abzusetzen. Piëch erstellte eine neue Produktentwicklungsstrategie, führte die 4-Tage-Woche ein um Beschäftigung am Standort Wolfsburg zu erhalten, reformierte die Modellpolitik und initiierte eine Mehrmarkenstrategie. Am revolutionärsten war die Konzentration auf nur noch vier Plattformen für die gesamte Pkw-Flotte. Er machte aus dem Unternehmen in mehrjähriger Arbeit einen der profitabelsten Autohersteller in der Welt. Heute zählen dank Piëchs progressiver Modelloffensive zu dem Weltkonzern Volkswagen AG Marken wie VW, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Bugatti und Lamborghini. Bei VW stellte er ein weiteres Mal seine technische Vielseitigkeit unter Beweis, die sich in der Bandbreite zwischen einem Einliterauto bis zu einem Bugatti mit 1.001 PS bewegte. In diese Zeit fällt auch die Innovation der W12- und W18-Zylinder-Motoren, die beim Bugatti zum Einsatz kamen. Weiters wurde in technischer Hinsicht bei VW das 3-Liter-Auto zur Serienreife gebracht.

Er forcierte aber auch den vermehrten Einsatz von Leichtmaterialien wie Aluminium im Autobau. Im Jahr 2002 schied Piëch als Vorsitzender aus dem Vorstand von Volkswagen AG aus, um in den Vorsitz des Aufsichtsrats zu wechseln. Maßgeblichen Einfluss hatte Ferdinand Piëch gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Großfamilie auch auf die strategische Entscheidung des Sportwagenherstellers Porsche, den die Familien Porsche und Piëch kontrollieren, als sich dieser im Jahr 2005 mit 20 Prozent bei Volkswagen beteiligte. Ermöglicht wurde dadurch der Ausbau der schon bisher stattgefundenen Zusammenarbeit der beiden Automobilhersteller und vor allem der Bestand der Volkswagen AG in ihrer derzeitigen Form. Aufgrund rechtlicher Änderungen hätte die Volkswagen AG in absehbarer Zeit ein lohnendes Ziel für Finanzinvestoren werden können, was zu einer möglichen Zerschlagung führen hätte können. So hatte Ferdinand Piëch, dem nachgesagt wird in historischen Dimensionen zu denken, maßgeblichen Anteil daran, das Erbe seines Großvaters auch für die Zukunft bewahren zu können.