Heinz W. Engl

In Linz befindet sich eines der weltweit führenden Zentren im Bereich der Industriemathematik. Als Vorteil des Linzer Standorts erachtet Heinz W. Engl die enge Verzahnung zwischen Linzer Universität und der Industrie. Mit dem von Engl geleiteten Institut, dem Industriellen Kompetenzzentrum für Industriemathematik (IMCC) und dem Spin-Off Unternehmen MathConsult können alle Bereiche optimal abgedeckt werden. Wobei der Grundlagenforschungsaspekt in Linz kürzlich durch die Gründung eines Instituts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Bereich der Angewandten Mathematik nachhaltig gestärkt wurde.

Eines der bekanntesten von Engl realisierten Projekte ist eine Software, die die Simulation von Vorgängen, die in Hochöfen stattfinden, möglich macht. Um die Vorgänge im Hochofen berechnen zu können, müssen simultan Hunderttausende von gekoppelten nichtlinearen Gleichungen gelöst werden. Zu berücksichtigen ist beispielsweise, dass Kohlenmonoxid das Erz reduziert und unterschiedliche Zuschläge Einfluss auf die Schlacke haben. Mit den mathematischen Verfahren, die gemeinsam mit der VAI entwickelt wurden, können Betriebsweisen und der Einsatz unterschiedlicher Rohstoffe untersucht werden und die Roheisenqualität kann kontrolliert optimiert werden. Die mathematischen Modelle, die die Bewegung von Zinsen beschreiben, sind mathematisch "baugleich" mit denen, die zur Simulation von Wärmeleitungsprozessen verwendet werden können. Daher eignet sich auch eine adaptierte Version dieser Software zur Berechnung des Risikomanagements von Anleihen auf internationalen Finanzmärkten. Verfahren der Hochleistungsnumerik erlauben es, das Marktrisiko von Wertpapierbeständen unter den hohen Performance-Anforderungen der Finanzmärkte bewerten zu können.

In Zusammenarbeit mit der AVL List entstand auch eine Software, die zur Simulation beim Bau von Antriebssträngen und Motoren im Automobilbau eingesetzt wird. Ebenso wird das von Engl entwickelte Verfahren von General Electric bei dreidimensionalen Ultraschallbildern für die medizinische Diagnostik eingesetzt, was zu mehr Effi zienz und Kosteneinsparungen beiträgt. Engl studierte Technische Mathematik an der Linzer Universität und promovierte 1977. Ab 1982 war er Assistenz Professor und 1988 erfolgte die Berufung zum Ordentlichen Professor. Auslandsaufenthalte führten unter anderem an die University of Delaware und Oxford Centre for Industrial and Applied Mathematics.