Charles Weissmann

Die Aufklärung des Vervielfältigungsmechanismus und der Struktur der RNA von bakteriellen Viren, so genannten Bakteriophagen, bildeten Charles Weissmanns Forschungsschwerpunkte. Er entwickelte ein völlig neues Verfahren, das als Reverse Genetik bezeichnet wird. Dabei wird nicht vom Phänotyp ausgegangen und nach dem entsprechenden Gen geforscht, sondern der umgekehrte Weg beschritten. Mittels gezielter Mutagenese wird das Erbmaterial verändert und die dadurch bedingten Änderungen untersucht. Auch heute noch ist für ihn die Frage, wie man die Funktion unbekannter Gene eruieren kann, eine der großen Herausforderungen der Molekularbiologie.

1983 wandte sich Charles Weissmann den Prionen zu, einem neuen und einzigartigen Phänomen unter den Infektionskrankheiten. In diesem Arbeitsfeld gehörte Weissmanns Arbeitsgruppe bald zur Weltspitze. Der Nachfolger Weissmanns in Zürich und damalige Diplomand Konrad Basler entdeckte das Gen, das das sogenannte Prion-Protein kloniert. Es konnte nachgewiesen werden, dass ohne dieses Gen beziehungsweise sein Proteinprodukt die Krankheit gar nicht ausbrechen kann.

Weissmann hatte aber auch als Unternehmensgründer Erfolg, bereits 1978 gründete er mit Partnern die Gentech-Firma Biogen. 1979 schaffte das Unternehmen den Durchbruch und konnte erstmals das Gen für alpha-Interferon isolieren und in Bakterien zur Expression bringen. Damit war es möglich, alpha-Interferon auch industriell herzustellen. Bisher verdiente die Universität Zürich rund 25 Millionen Euro an den Lizenzgebühren dieses Wirkstoffs. Charles Weissmann wuchs in Zürich und Rio de Janeiro auf, studierte an der Universität Zürich und wurde dort 1956 in Medizin und 1962 in Organischer Chemie promoviert. Anschließend arbeitete er sechs Jahre lang am Department für Biochemie der New York University, School of Medicine. Danach erhielt er einen Ruf an die Universität Zürich, wo er das Institut für Molekularbiologie gründete.

Nach seiner Emeritierung arbeitet er am Scripps Florid, einem biomedizinischen Forschungszentrum. Charles Weissmann erhielt viele hohe wissenschaftliche Auszeichnungen und Ehrungen, unter anderem den Ernst Jung-Preis für Medizin, die Robert Koch-Medaille sowie die August-Wilhelmvon- Hofmann-Denkmünze der Gesellschaft Deutscher Chemiker und in Frankreich - gemeinsam mit Stanley Prusiner - den Charles Léopold-Mayer-Preis der Academie des Sciences.