Jozef Stefaan Schell

Mit der Entdeckung des natürlichen Gentransfers von Bakterien auf Pflanzen wurde Jozef Schell zu einem der Begründer der "grünen" Gentechnik. Das Forschungsinteresse von Schell galt der Wechselwirkung zwischen Pflanzen und Mikroorganismen. Speziell erforschte er die Interaktion von Bodenbakterien mit Pflanzen bei der symbiotischen Stickstoff-Fixierung sowie bei der Bildung von Gewebetumoren.

Jozef Schell entdeckte, dass Bodenbakterien von Natur aus in der Lage sind, Gene auf Pflanzen zu übertragen und so Krankheiten ausgelöst werden können. Diese Entdeckung hatte eine völlig neue Art der Züchtung von Nutzpflanzen zur Folge. Schell entwickelte bereits während seiner Studienzeit in Gent das Verfahren, gezielt in das Erbgut von Pflanzen verändern zu können. Wichtigster Schritt war die Erkenntnis, dass das Agrobacterium tumefaciens Gewebewucherungen bei Pflanzen auslöst. Hierbei baut das Bakterium einen Teil seiner DNA, die auf einem so genannten Plasmid liegt, in das Erbgut der Wirtspflanze ein. Es gelang, den krankheitsauslösenden Prozess zu entschärfen und statt dessen das Bakterium als "Genfähre" nutzbar zu machen.

Schell studierte an der Universität Gent Zoologie und wurde im Fach Mikrobiologie promoviert. Von 1967 bis 1995 war er in Gent als Professor tätig und gründete dort das bekannte Labor für allgemeine Genetik. 1978 erhielt er den Ruf nach Köln an das Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung, wo er bis zum Jahr 2000 tätig war. Seit 1980 wirkte er auch als Honorarprofessor an der Universität Köln und war seit 1994 zusätzlich als Professor am renommierten Collège de France in Paris tätig.

Schell war Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Vereinigungen, so unter anderem der New York Academy of Sciences, der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle, Vorsitzender des israelischen Scientific Advisory Board, des Otto Warburg Centers in Rehovot, der National Academy of Sciences, USA sowie der Indian National Science Academy. Schell erhielt vielfältige Ehrungen. Besonders zu erwähnen ist der Japan-Preis, den er 1998 zusammen mit seinem Kollegen Marc Van Montagu erhielt. Weiters die Première Grande Médaille d`Or der Französischen Akademie der Wissenschaften, die Mendel- Medaille der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und die Sir Hans Krebs-Medaille sowie den Ehrendoktortitel der Université Louis Pasteur, Straßburg.