Karl Hermann Spitzy

Die moderne Antibiotika-Therapie ist untrennbar mit Karl Hermann Spitzy verbunden. Er führte die ersten klinischen Versuche mit dem von Ernst Brandl (Wilhelm-Exner-Medaillenträger 1983) gemeinsam mit Hans Magreiter entwickelten säurefesten Penicillin durch und ist der Wegbereiter der oralen Penicillintherapie, die bis heute weltweit zum Einsatz kommt. Die 1955 darüber veröffentlichte Arbeit zählt unter den 500 Publikationen zu Spitzys berühmtesten Schriften. Auf ihn geht auch die hoch dosierte Penicillin-Behandlung zurück.

Sein Studium begann er 1933 an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien, er wechselte dann zur Medizin und promovierte im Jahr 1939. Neben seinem Studium absolvierte er 1935 zusätzlich die Ausbildung zum Werkmeister für Maschinenbau und Elektrotechnik. Während des Zweiten Weltkriegs war Spitzy als Militärarzt tätig. Nach Kriegsende schuf er sich einen internationalen Ruf als Infektiologe. 1984 gründete er den Antibiotika Monitor, dessen Herausgeber er ist. 1970 errichtete er eine eigenständige Lehrkanzel für Chemotherapie, die er nach neun Jahren als Ordentlicher Professor in eine Universitätsklinik umwandelte.

Um Ärzteschaft und Bevölkerung über die Neuerungen in der Medizin gezielt informieren zu können, verfasste er an die 200 Fortbildungsfilme und organisierte zahlreiche internationale Kongresse. Nach seiner Emeritierung nahm er ein bereits in den 30er Jahren begonnenes Philosophiestudium wieder auf und promovierte mit 78 Jahren zum Doktor der Philosophie. Spitzy nahm Zeit seines Lebens nachdrücklich zu ethischen Fragen Stellung und behandelte als Arzt "Kranke und nicht Krankheiten". Sein Leitspruch lautet, handle so, dass es auch ein Gebet sein könnte. In einem Interview bemerkte Spitzy, "dass das Handeln des Arztes nur im zirkulären Prozess des Gewinnens von Vertrauen und des Übernehmens von Verantwortung möglich ist, zirkulär insofern, als das Vertrauen als Geschenk des Patienten immer wieder neu gewonnen werden muss und die Verantwortung dementsprechend immer wieder eine neue ist".

Als herausragender Arzt und Organisator wurde er von der Internationalen Paul-Ehrlich-Gesellschaft 1974 zum Präsidenten gewählt, er leitete ab 1982 die Gesellschaft der Ärzte in Wien neun Jahre lang. Er erhielt zahlreiche Ehrungen wie die Billroth-Medaille, die Vesalius-Medaille und die höchsten Orden der Stadt Wien und der Ärztekammer.