Gernot Zippe

Exner-Laureat Gernot Zippe, in der breiten Öffentlichkeit eher unbekannt, ist einer der Großen unter den Wissenschaftern des 20. Jahrhunderts mit österreichischen Wurzeln. Er entwickelte die Gas-Ultrazentrifugen- Technik, die der Isotopentrennung von Uran-235 und Uran-238 dient. Das so gewonnene Material kann sowohl zur friedlichen Nutzung der Kernkraft als auch zum Bau einer Bombe verwendet werden. Zippe, der an der Universität Wien Physik studierte, arbeitete als Wissenschafter während des Zweiten Weltkriegs bei der deutschen Luftwaffe. Dort war er als Flugausbilder tätig, forschte aber auch über Radar und die Optimierung von Fugzeugpropellern. Ihn zeichnet eine enge Verbundenheit zum Fliegen aus, er flog noch im Alter von 80 Jahren selbst.

Nach Kriegsende kam er in ein sowjetisches Lager für Spitzenwissenschafter, die in die Sowjetunion gebracht worden waren. Dort erhielt er die Aufgabe eine Gas-Ultrazentrifuge mit einem Wirkungsgrad von 15 Prozent zu konstruieren. Zippe befand sich bis 1952 in einem Forschungszentrum am Schwarzen Meer, das dann nach Leningrad übersiedelt wurde. Zippe und seine Mitarbeiter übertrafen die Zielvorgabe und bauten eine Zentrifuge mit einem 30-prozentigen Wirkungsgrad. Die Zentrifugen wurden in Folge von der Sowjetunion im großen Maßstab zum Bau von Atombomben verwendet. Zippe kehrte 1956 nach Deutschland zurück und besuchte im Jahr darauf in Amsterdam eine Konferenz, deren Schwerpunkt Fragen der Isotopentrennung waren. Er realisierte, dass die Sowjetunion gegenüber dem damaligen "Westen" einen mehrjährigen Entwicklungsvorsprung hatte, was diese Technologie betraf. Auf Einladung der USRegierung ging er in die USA und stellte an der University of Virginia seine Technologie vor. Er hatte Angebote in den USA zu bleiben und US-amerikanischer Staatsbürger zu werden, doch entschied er sich nach Deutschland zurückzugehen, wo er bei Degussa an der Verbesserung der Zentrifugen arbeitete.

Zippe engagierte sich in den 70er Jahren bei der Bundesgesellschaft für Kernverfahrenstechnik in Jülich und bei dem großen deutschen Unternehmen MAN als Berater, wo er die Zentrifugen weiter optimierte. Ein Modell der von ihm entwickelten Gas-Ultrazentrifugen kann heute im Münchner Deutschen Museum besichtigt werden. Jenem Museum, für dessen Gründung sich die beiden Wilhelm- Exner-Preisträger Oskar von Miller (1921) und Carl von Linde (1922) besonders eingesetzt hatten.