Karl Kraus

Zentrales Forschungsgebiet von Karl Kraus war das digitale Geländemodell, das eine einsetzbare Planungsgrundlage darstellt. Damit können computergestützt raumbezogene digitale Daten vielfältig miteinander verknüpft und ausgewertet werden. Kraus erkannte bereits frühzeitig, dass der Verwaltung der Geländedaten eine zentrale Bedeutung zukommen werde, und initiierte den Aufbau eines topographischen Informationssystems.

Maßgeblich war er auch an der Entwicklung der zur Auswertung notwendigen SCOP-Software beteiligt. Karl Kraus studierte an der Technischen Hochschule München zwischen 1958 und 1962 Vermessungswesen, war danach bis 1966 Assistent in München, wo er auch im Jahr 1966 dissertierte. Anschließend daran arbeitete er vier Jahre bei der Bayerischen Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung und wechselte 1968 als Lehrer an die Staatsbauschule in München. Ab dem Jahr 1970 war er Assistenzprofessor an der Stuttgarter Universität. Die Berufung an die Technische Universität Wien erfolgte im Jahr 1974.

In Wien machte Kraus bereits wenige Jahre nach seiner Berufung digitale Bildverarbeitung und die Fernerkundung zu einem der Schwerpunkte. Was zur Folge hatte, dass es zu einer Erweiterung des Lehrangebots kam und das Institut von "Institut für Photogrammetrie" um den Bereich Fernerkundung ergänzt wurde. Auf ihn geht auch die Schaffung einer Professorenstellte für Fernerkundung zurück. In den Jahren vor seiner Emeritierung erkannte er die wachsende Bedeutung neuer Technologien wie des Laserscannings, das die Datenerfassung revolutionieren sollte. Kraus regte auch die Gründung des Christian-Doppler-Laboratoriums "Räumliche Daten aus Laserscanning und Fernerkundung" an.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Bestrebungen war der enge Kontakt zur Wirtschaft. Seine Maxime war, die Universität solle bei der Implementierung neuer Technologien beratend zur Seite stehen und sich im Falle ihrer Etablierung aus dem Wettbewerb zurückziehen. An der TU Wien übte er zahlreiche Funktionen aus, so war er zwischen 1983 und 1986 Dekan und zwischen 1987 und 1989 als Rektor tätig. Zwischen 1992 und 1996 war Kraus Kongressdirektor der Internationalen Gesellschaft für Photogrammetrie und Fernerkundung (ISPRS) und richtete den internationalen Kongress 1996 aus. Er publizierte mehr als 170 Arbeiten und fünf Bücher, er wurde vielfach geehrt, so 1971 mit dem Carl Pulfrich Award, und war Ehrendoktor der Technischen Universität Budapest.