Helmut Zahn

Dem Exner-Laureaten gelang im Jahr 1963 an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen der Nachweis, dass Eiweißmoleküle wie Insulin auch synthetisch hergestellt werden können. Er ebnete den Weg für eine weitgehend nebenwirkungsfreie Behandlung, denn damals wurde Diabetes mit unmodifi ziertem tierischem Insulin behandelt, was oft zu immunologischen Nebenreaktionen führte konnte. Aufbauend auf der von Zahn geleisteten Grundlagenforschung kam durch das japanische Pharmaunternehmen Shinogi 1979 das erste Insulinpräparat auf synthetischer Basis auf den Markt.

Aber auch gentechnische Verfahren der Insulinerzeugung bauen auf Zahns Forschungen auf. Weiters wurden von ihm in Aachen über 100 Insulinvarianten entwickelt, die der Peptidforschung den Weg für die weitere Insulinentwicklung ebneten. Zahns Name ist aber auch untrennbar mit der Wollforschung verbunden. Als Folge seiner Insulinforschungen entwickelte er ein neues Verständnis der Struktur und Eigenschaften von komplexen Proteinfasern wie Seide, Wolle, Haare und Kollagene. Bei diesem handelt es sich um das bedeutendste Protein des Bindegewebes, dessen Erforschung maßgebliche Auswirkungen auf die verbesserte Produktund Qualitätskontrolle hatte. Weiters stammen von Zahn chemische Analysemethoden für Polyamide und Polyester, die von der Synthesefaserindustrie übernommen wurden. Um Zahns Arbeitsbedingungen zu verbessern, beteiligte sich die wollverarbeitende Industrie an der Gründung des Deutschen Wollforschungsinstituts an der RWTH Aachen.

Helmut Zahn studierte an der Technischen Hochschule Karlsruhe Chemie, wo er 1940 promovierte. Im Jahr 1948 erfolgte seine Habilitation an der Universität Heidelberg. 1952 wurde er zum ersten Direktor des Wollforschungsinstituts an der RWTH Aachen ernannt und 1957 erfolgte die Berufung auf den neu errichteten Lehrstuhl für Textil chemie in Aachen. In Verlauf seiner wissenschaftlichen Karriere publizierte er rund 700 Arbeiten. Nach der im Jahr 1981 erfolgten Emeritierung war Zahn bis 1985 weiter in Aachen sowohl an der Technischen Hochschule als auch als Direktor des Wollforschungsinstituts tätig. Er publizierte mehr als 700 Arbeiten und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. So wurde er unter anderem von den Universitäten Leeds, Düsseldorf, Belfast, Bradford, Barcelona und Lüttich zum Ehrendoktor ernannt.