Karl Alexander Müller

Im Jahr der Verleihung der Wilhelm-Exner-Medaille erhielt Karl Alexander Müller den Nobelpreis für Physik zusammen mit Georg Bednorz, dessen 1982 abgeschlossene Dissertation von Müller betreut wurde. Die beiden Forscher erhielten die Auszeichnung für den bedeutenden wissenschaftlichen Durchbruch bei der Entdeckung der Supraleitung in keramischen Werkstoffen.

Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse lösten bei Erscheinen ein überwältigendes Echo und einen markanten Sprung in der Entwicklung der Erforschung der Supraleitfähigkeit aus. Der Effekt selbst wurde bereits 1911 von Heike Kamerlingh Onnes (1853-1926) entdeckt. Müller und Bednorz widerlegten die damals anerkannten Theorien, die besagten, dass sich die Supraleitung erst ab -250 Grad einstellen würde. Durch die Entwicklung eines bisher unbekannten keramischen Werkstoffes auf der Basis von Kupfer, Lanthan, Barium und Sauerstoff gelang es, einen Werkstoff zu schaffen, der auf -238 Grad abgekühlt dem durchfließenden elektrischen Strom keinen Widerstand bot. Dies war die damals höchste je erreichte supraleitende Temperatur. Nur wenige andere Entdeckungen hatten ein derartiges Echo hervorgerufen, denn binnen kurzem wurden keramische Hochtemperatur-Supraleiter zum Spekulationsobjekt technischer und wirtschaftlicher Phantasien. In der Forschung setzte ab dieser Zeit ein Wettlauf nach immer höheren Temperaturrekorden und neuen Materialien ein. Die erhoffte schnelle Markteinführung wurde jedoch unter anderem durch die Sprödigkeit der empfindlichen Materialien sowie durch den Effekt, dass diese ihre Eigenschaften bei zu hoher Strombelastung verlieren können, verzögert, so dass momentan die Jagd nach Temperaturrekorden in den Hintergrund gerückt ist und nun hauptsächlich an der Entwicklung der vermehrten technischen Verwendbarkeit gearbeitet wird.

Müller studierte Physik an der ETH Zürich und promovierte 1952. Danach war er als Assistent an der ETH tätig und wechselte zu IBM als Leiter der Forschungsgruppe, die sich mit Magnet- Resonanz beschäftigte. Ab 1963 war Müller bis zum Jahr 1992 als Forschungsleiter im IBM Forschungslabor in Rüschlikon tätig. Bereits seit 1962 hielt er auch Vorlesungen an der Universität Zürich, war ab 1970 als Titularprofessor, dann ab dem Jahr 1987 als Ordentlicher Professor tätig und wurde im Jahr 1994 emeritiert. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem Ehrendoktorate der Universität Genf und der TU München.