Helmut Rauch

Der Wissenschafter hatte sich schon während seiner Gymnasialzeit der Physik und Mathematik verschrieben. Sein Physikstudium an der TU Wien begann er 1957 und beendete es 1962. Acht Jahre später habilitierte sich Rauch für das Fachgebiet Neutronen- und Reaktorphysik und seit 1972 leitet er das Atominstitut der Österreichischen Universitäten, das seit dem Jahr 1998 eine Einrichtung der TU Wien ist. Rauchs Forschungsaktivität wurde wesentlich durch seinen Besuch des Forschungsreaktors in Garching bei München im Jahr 1965 beeinfl usst.

Dort ging man 1965 der Frage nach, ob es möglich sei, nicht nur Licht- oder Röntgenstrahlen zum "Interferieren" beziehungsweise zum Überlagern zu bringen, sondern auch massive Teilchen wie Neutronen. Das Experiment klappte dort jedoch entgegen der Überzeugung der deutschen Wissenschafter nicht. Helmut Rauch packte daraufhin der wissenschaftliche Ehrgeiz. Er suchte nach dem am besten geeigneten Ausgangsmaterial für sein Neutronen-Interferometer. Im Jahre 1974 gelang ihm gemeinsam mit Ulrich Bonse und Wolfgang Treimer der erstmalige Nachweis von Materiewellen auf makroskopischem Maßstab und somit der Beweis, dass ein und dasselbe Teilchen sowohl Materie als auch Welle sein kann.

Im Zuge eines Forschungsaufenthaltes am Hochfl ussreaktor im Institut Laue-Langevin in Grenoble gelang 1983 durch Experimente zum Energieaustausch zwischen Neutronen und Magnetfeldern der Nachweis, dass eine quantenphysikalische Messung die Phasenbeziehung von Materiewellen weder stört noch zerstört. Weitere Versuche legten die Deutung nahe, dass dasselbe Neutron zu jedem Zeitpunkt als Welle und als Teilchen existiert. Rauch engagierte sich auch im wissenschaftlichen Umfeld, so übernahm er von 1985 bis 1990 die Funktion des Vizepräsidenten des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, 1991 bis 1994 war er Präsident des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Er war auch Mitglied des Wissenschaftlichen Rats der Europäischen Spallationsquellen (1992-2003), des Executive Council der European Science Foundation (1996-1999) und ist seit 1999 Mitglied des Executive Council der European Neuron Association.

Bekannte Schüler des bisher mehrfach ausgezeichneten Wissenschafters sind der Quanten- und Atomoptik-Spezialist Harald Weinfurter, der Festkörperphysiker Kurt Binder, der Halbleiterphysiker Heinrich Kurz, der Atomphysiker Jörg Schmiedmayer und der bekannte Experimentalphysiker Anton Zeilinger.