Heinz Maier-Leibnitz

Exner-Laureat Heinz Maier-Leibnitz studierte Physik an der Technischen Hochschule Stuttgart und an der Universität Göttingen. Mit einer Studie zur Atomphysik wurde er 1935 promoviert. Anschließend arbeitete er bis 1952 am Kaiser-Wilhelm-Institut, dem heutigen Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung in Heidelberg. Seit 1952 wirkte er auf dem Lehrstuhl für Technische Physik der Technischen Hochschule München.

Das Laboratorium für Technische Physik, das Maier-Leibnitz von Walther Meißner (1892-1974) übernahm, wurde in Deutschland zur Keimzelle der bis heute blühenden nuklearen Festkörper physik. Auf ihn geht der Bau des ersten deutschen Forschungs reaktors in München zurück, der 1957 in Betrieb genommen wurde. Heinz Maier-Leibnitz entwickelte die Neutronenoptik sowie Verfahren zur Untersuchung der Kernspaltung und zur Präzisionsspektroskopie der Neutroneneinfangstrahlung, die große wissenschaftliche Bedeutung erlangten. Aufgrund seiner Pionierleistungen auf dem Gebiet der Neutronenphysik, vor allem seiner Erfi ndung der Neutronenleiter, ohne die Neutronenstreuexperimente an Kernreaktoren undenkbar wären, verlieh ihm die Deutsche Physikalische Gesellschaft 1996 die Stern-Gerlach-Medaille.

Die Krönung der wissenschaftlichen Laufbahn von Maier-Leibnitz stellte der Aufbau des internationalen Neutronenforschungszentrums "Institut Max von Laue-Paul Langevin" in Grenoble dar, das er von 1967 bis 1972 leitete. In dieser Anlage konnte er seine Erfahrungen aus dem Münchner Forschungsreaktor an einer maßgeschneiderten Neutronenquelle mit höchsten Flüssen umsetzen. Kalte und ultrakalte Neutronen wurden mit speziellen Quellen erzeugt und mit Neutronenleitern an untergrundfreie Messplätze weitergeleitet, an denen neuartige Instrumente zur Untersuchung elementarer Wechselwirkungen sowie der statischen und dynamischen Eigenschaften kondensierter Materie und biologischer Substanzen aufgebaut waren.

Zusätzlich zu seiner Forschungstätigkeit war Maier-Leibnitz zwischen 1972 und 1973 Mitglied des Deutschen Wissenschaftsrates, von 1972 bis 1975 Präsident der Internationalen Union für Reine und Angewandte Physik, 1973 bis 1974 Vorsitzender der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte und von 1973 bis 1983 Stiftungsrat der Siemens-Stiftung sowie von 1974 bis 1979 Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Er erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter auch drei Ehrendoktorate.