Karl Rinner

Als Wissenschafter erhielt Karl Rinner bereits zu Lebzeiten den Titel "Universalgeodät", da sich seine wissenschaftliche Tätigkeit von der Photogrammetrie bis zur Ingenieurs- und Höheren Geodäsie erstreckte. Rinner studierte ab dem Jahr 1930 an der Universität Graz Mathematik und Darstellende Geometrie sowie gleichzeitig an der Technischen Hochschule Vermessungswesen. Er schloss seine Studien an der TH Graz im Jahr 1936 ab.

Im Anschluss daran ging er aufgrund der schlechten Wirtschaftslage in Österreich nach Bayern, wo er beim Landesvermessungsamt München arbeitete und für die Triangulierung, eine Vermessungsmethode in der Geodäsie, verantwortlich war. Ab dem Jahr 1938 war er mit dem Aufbau der photogrammetrischen Abteilung betraut und wechselte zu Kriegsbeginn nach Berlin.

Dort baute er für die deutsche Marine die Abteilung "Photogrammetrie und Vermessung" auf, habilitierte sich 1940 an der Technischen Hochschule Berlin und hielt Vorlesungen über Fragen der Meeresgeodäsie. Nach Kriegsende kehrte Karl Rinner nach Österreich zurück und habilitierte sich ein zweites Mal, im Jahr 1953 an der Technischen Hochschule Graz. In der Nachkriegszeit baute er ein eigenes Büro als Ziviltechniker auf, das er binnen kürzester Zeit zu einem der führenden österreichischen Büros im Vermessungs wesen machte. Weiters war er in den 50er Jahren ein gefragter Vortragender und hielt Gastvorlesungen an zahlreichen Universitäten. Im Jahr 1959 erfolgte seine Berufung als Professor an die Technische Hochschule Graz, wo er unter anderem wesentliche Beiträge zur analytischen Photogrammetrie erarbeitete.

In Graz forschte Rinner an der Messung von Erdgezeiten, der Elektronischen Distanzmessung und widmete sich auch sehr früh der Satellitengeodäsie. Rinners Arbeiten fanden rasch internationale Beachtung. Er selbst engagierte sich im internationalen Forschungsbetrieb und war sowohl in der International Association of Geodesy als auch in der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik leitend tätig. Im Jahre 1978 wurde Karl Rinner emeritiert, war aber weiter als Forscher und Lehrer und auch darüber hinaus als Rezensent für Fachzeitschriften tätig.

Karl Rinner wurde für sein wissenschaftliches Werk vielfach ausgezeichnet, er erhielt vier Ehrendoktorate. Unter anderem auch 1981 jenes von der Universität Hannover, das zuvor auch schon dem Niederländer Willem Schermerhorn (1894-1877), dem bedeutendsten Geodäten des 20. Jahrhunderts, verliehen worden war.