Kurt Magnus

Kurt Magnus studierte Mathematik, Physik und Chemie an der Universität Göttingen. Die Dissertation über das Thema "Schwingungen kraftgekoppelter Kreisel" ist bereits von seinen Interessen gekennzeichnet, nämlich der Kreiselmechanik und der Schwingungslehre, Gebiete, denen er sich während seines gesamten wissenschaftlichen Lebens widmete. Kurt Magnus war nach seiner Habilitation als Dozent an der Technischen Hochschule Danzig und darüber hinaus während des Krieges für die deutsche Industrie und Luftwaffe tätig.

Danach musste er zwangsweise sieben Jahre für die Sowjetunion forschen. Nach seiner Rückkehr wurde er Dozent an der Universität Freiburg, 1958 als Nachfolger von Richard Grammel an die Technische Hochschule Stuttgart berufen und im Jahr 1966 folgte er einem Ruf an die Technische Universität München zur Neugründung eines Instituts für Mechanik. Den berufl ichen Werdegang an die Spitze von renommierten Instituten erschloss sich Magnus durch die Arbeit an Theorie und Anwendung des Kreisels. Er durchschaute die gemeinsamen Eigenschaften von Kreiselgeräten und trug dazu bei, die jedem Messgerät anhaftenden Fehler zu diagnostizieren und zu reduzieren.

Er konnte zeigen, dass durch Verkoppelung von Kreiseln zu Kreiselsystemen eine Kompensation der Fehler erreichbar ist. So demonstrierte Magnus im Jahr 1962 nach einer Gastprofessur an der Kansas University, dass Satelliten sich nicht anders verhalten als Kreisel im Schwerefeld der Erde. Während seines Zwangsaufenthaltes in der Sowjetunion entstand eine Vielzahl von Arbeiten zur nichtlinearen Mechanik und Regelungstechnik, die von außerordentlicher Bedeutung sind. So fi nden seine Forschungen beispielsweise Anwendung bei der Konstruktion von Ultragas-Zentrifugen zur Urananreicherung.

Kurt Magnus war auch ein brillanter Lehrer. Als Instituts leiter begeisterte er Studierende für die Probleme der Mechanik und gründete mit seiner Art, mechanische und insbesondere dynamische Probleme anzugehen, eine bis heute fortwirkende Schule. Die Fachwelt verdankt ihm rund 80 Veröffentlichungen. In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Verdienste verlieh ihm im Jahr 1997 die Russische Akademie für Navigation und Bewegungskontrolle als einzigem Ausländer die Ehrenmitgliedschaft sowie die Ostryakov- Medaille. Magnus war auch Ehrendoktor der Universität Stuttgart und Träger des Ludwig Prandtl-Ringes.