Günther Wilke

Günther Wilke zählt zu den großen Wissenschaftern des 20. Jahrhunderts. Seine bahnbrechenden Arbeiten zur metallorganischen Chemie bestimmten die Geschichte der Homogenkatalyse mit und erweiterten das grundlegende Verständnis vieler Katalysen. Die industrielle Anwendbarkeit von Wilkes Forschungen sind vielfältig, nämlich bezüglich wichtiger Grundchemikalien sowie in der Erdölfolgechemie.

Wilke studierte zwischen 1946 und 1951 Chemie an den Universitäten Karlsruhe und Heidelberg, wo er auch 1951 mit einer Arbeit über Lignin promovierte. Danach war er bis 1955 Mitarbeiter von Karl Ziegler, Nobelpreisträger des Jahres 1963 und Wilhelm- Exner-Medaillenträger von 1971. Ab 1955 publizierte Wilke erste selbstständige Arbeiten und habilitierte sich 1960 an der Rheinisch- Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Drei Jahre später erfolgte die Berufung zum wissenschaftlichen Mitglied des Max- Planck-Instituts für Kohlenforschung und zum Ordentlichen Professor an der Ruhr-Universität Bochum. An der Universität wirkte er zwischen 1968 und 1969 als Dekan der Abteilung für Chemie. Die ETH Zürich beabsichtigte ihn im Jahr 1967 als Nachfolger Karl Zieglers zu berufen, was Wilke jedoch ablehnte.

Im Jahr 1969 wurde er Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung, das er bis 1993 leitete. 1973 bis 1976 war er Vorsitzender der Chemisch-Physikalisch-Technischen Sektion und Mitglied des Senates der Max-Planck-Gesellschaft. Neben seiner umfangreichen wissenschaftlichen Tätigkeit übte er auch Mandate in der Industrie aus, so war er zwischen 1968 und 1972 Mitglied des Aufsichtsrates der Friedrich Krupp AG und bis 1983 Mitglied des Aufsichtsrates der Th. Goldschmidt AG.

Wilke blickt als Forscher auch über den Horizont der Gegenwart. Wie er in dem von ihm herausgegebenen Sammelwerk "Horizonte" schrieb, wird das vom Wilhelm-Exner-Medaillenträger des Jahres 1936 Franz Fischer mit Hans Tropsch entwickelte Verfahren zur Gewinnung von Treibstoffen eine Renaissance erleben. Und eben darum, so Wilke, "sollte das vorhandene Know-how für diese Technologie gut gehütet werden". Günther Wilke wurde vielfach ausgezeichnet, so erhielt er unter anderem das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Vereinigungen sowie mit mehreren Ehrendoktoraten ausgezeichnet. so unter anderem von der spanischen Universidad de Oviedo und der State University of New York.