Willem Johan Kolff

Exner-Laureat ist einer jener medizinischen Pionie re, die durch ihre Forschungen das Leben unzähliger Menschen zu retten und zu verlängern verhalfen. Während des Zweiten Weltkriegs, er ar bei tete zu dieser Zeit im Krankenhaus der niederländischen Kleinstadt Kampen, entwickelte er Modelle von Dialysegeräten. Im September 1945 gelang Kolff der Durchbruch, denn erstmals konnte er eine Patientin so lange am Leben erhalten, bis ihre Nierenfunktion wieder einsetzte.

Im Jahr 1950 folgte er einer Einladung der Cleveland Clinic Foundation. Dort forschte Kolff über die Herzgefäße und baute die ersten Herz-Lungen-Maschinen. Ab dem Jahr 1955, Kolff war inzwischen amerikanischer Staatsbürger geworden, betrieb er die Entwicklung eines künstlichen Herzens. Bereits 1957 setzte er ein solches einem Hund ein, der 90 Minuten überlebte. Im Zuge seiner Forschungen entwickelte er auch den Ballonkatheter zur Dehnung der Herzaterien, der binnen kurzer Zeit Verwendung in der klinischen Praxis fand.

Im Jahr 1967 wechselte er an die University of Utah und verbesserte gegen den Widerstand vieler Ärzte die Dialysemaschine soweit, dass Patienten die Blutreinigung auch zu Hause vornehmen konnten. Gleichzeitig setzte Kolff seine Arbeit an der Entwicklung eines künstlichen Herzens weiter fort. Einer der Prototypen wurde einem Kalb eingesetzt, das 268 Tage überlebte.

Im Jahr 1982 war Kolff soweit, dass er zum ersten Mal das künstliche Herz bei einem Menschen, dem 61-jährigen Barney Clark, einsetzte. Clarke starb nach vier Monaten, nicht aber wegen des künstlichen Herzens, sondern aufgrund von Ausfällen anderer Organe. Diese Operation, die großes Aufsehen erregte, machte Kolff auch über die Scientifi c Community in die breite Öffentlichkeit hinaus bekannt. Aufgrund der Erfolge von Herztransplantationen kam es aber zu keiner Weiterentwicklung des von Kolff entwickelten künstlichen Organs.

Kolff studierte an der Universität Leiden und arbeitete ab dem Jahr 1938 im Krankenhaus Groningen, wo er die Ausbildung zum Internisten durchlief. Im Laufe seines wissenschaftlichen Lebens veröffentlichte er mehr als 600 Arbeiten. Er wurde vielfach geehrt, so setzte ihn das Life Magazine im Jahr 1990 auf die Liste der hundert wichtigsten Amerikaner des 20. Jahrhunderts. Er erhielt dreizehn Ehrendoktorate und bekam 2002 die höchste amerikanische medizinische Auszeichnung, den Albert Lasker-Preis.