Christian Veder

Die von Christian Veder entwickelte Schlitzwandbauweise revolutionierte den Grundbau. Dieses Schlitzwandverfahren dient der Stützung und Abdichtung von Baugrubenwänden, der Herstellung von so genannten Herdmauern unter großen Dämmen, wie beispielsweise unter dem kanadischen Manicouagan-Damm mit einer Tiefe von 131 Metern, und kann als Tragelement bei einsturzgefährdeten Bauten eingesetzt werden. Es werden Betonpfähle in den Boden gegossen, die die Kräfte in tiefer liegende, tragfähigere Schichten leiten. Als Stützflüssigkeit kommt Bentonit, ein Gemisch aus Wasser und Ton, zur Anwendung.

Veder arbeitete auch als Berater bei der Errichtung des am 11. September 2001 zerstörten World Trade Center. Die Untergrundverhältnisse waren außerordentlich schwierig, so musste unter anderem ein Wassereinbruch des Hudson River vermieden sowie der Betrieb von darunter verkehrenden U-Bahnen aufrechterhalten werden. Die Lösung dieser Anforderungen erfolgte durch Errichtung einer "Betonwanne". Diese "Wanne" überstand auch nahezu unbeschadet die Zerstörung des Gebäudes am 11. September 2001, was dazu führte, dass die Aufräumungsarbeiten rascher als bei einer vollständigen Zerstörung des Fundaments erfolgen konnten. Die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Veders Schlitzwandbauweise zeigten sich aber auch bei der Rettung der in Rom gelegenen historischen Ponte Flaminia, die von ihm dauerhaft stabilisiert wurde. In seinen letzten Lebensjahren arbeitete er an der Stabilisierung des Schiefen Turms von Pisa, die aber durch den Tod Veders nicht mehr zur Ausführung kam.

Begeistert für den Grundbau wurde Veder von Karl von Ter zaghi (1883-1963), der die Bodenmechanik als selbstständige Ingenieurwissenschaft begründet hatte und zu Veders Studienzeit an der Technischen Hochschule Wien forschte und lehrte. Im Jahre 1932 ging Veder nach Mailand zur Firma Giovanni Rodio & Co., wo er ein Erdbaulaboratorium einrichtete. Dort entwickelte er auch die Schlitzwandbauweise. Zwischen 1938 und 1948 war er für das Innsbrucker Unternehmen Innerebner und Mayer tätig. Veder gründete 1950 ein eigenes Unternehmen, in dem er seine Verfahren verwertete. 1964 erfolgte seine Berufung an die Technische Hochschule Graz, wo er als Leiter des Institutes für Bodenmechanik, Feldmechanik und Grundbau bis zur Emeritierung 1972 tätig war. Christian Veder erhielt für seine Pionierleistungen im Tiefbau die Ehrendoktorwürde der Universität Padua.