Ferry Porsche

Mit Ferry Porsche wurde der zweite Vertreter der drei Wilhem-Exner-Medaillenträger, die den Familien Porsche und Piëch entstammen, geehrt. Als einziger Sohn Ferdinand Porsches wurde Ferry Porsche in Wiener Neustadt geboren, während sein Vater als Direktor bei Austro-Daimler tätig war. Ferry Porsche absolvierte nach dem Schulabgang ein einjähriges Praktikum bei der Firma Bosch in Stuttgart und erfuhr daran anschließend eine einjährige intensive private theoretische Unterweisung in der Automobiltechnik.

Bereits im Jahr 1932 wurden ihm die Versuchsüberwachung, die Koordination der Konstrukteure sowie die Pflege der Verbindungen zu den Auftraggebern wie zum Beispiel mit der Auto Union übertragen, für die sein Vater erfolgreiche Rennwagen konstruierte. Ferry Porsche startete damit im Umfeld einer hochqualifi zierten österreichischen Technikermannschaft, die Ferdinand Porsche auch in das von ihm im Jahr 1931 in Stuttgart gegründete Konstruktionsbüro "Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH" begleitete. Nach der Beauftragung durch den Reichsverband der Automobilindustrie (RDA) des Stuttgarter Porschebüros, einen Volkswagen zu bauen, übernahm Ferry Porsche die Leitung der Versuchsfahrten.

Aufgrund der umfangreichen Arbeiten, die durch den Aufbau des Volkswagenwerks in Wolfsburg von Ferdinand Porsche geleistet werden mussten, war Ferry Porsche stellvertretender Leiter des Konstruktionsbüros, das 1938 in Stuttgart- Zuffenhausen, dem heutigen Standort der Porsche Sportwagenproduktion, neue Büroräumlichkeiten bezog. In Folge der Intensivierung der Luftangriffe 1944 übersiedelte Ferry Porsche wesentliche Teile des Konstruktionsbüros nach Gmünd in Kärnten.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm Ferry Porsche gemeinsam mit seiner Schwester Louise Piëch die Unternehmensleitung des neugegründeten österreichischen Porsche Unternehmens, da sich sein Vater noch bis 1947 in französischer Gefangenschaft befand. In Gmünd entwickelte Ferry Porsche auf Basis des Volkswagens zusammen mit Chefkonstrukteur Karl Rabe (1895-1968) und dem Karosseriedesigner Erwin Komenda (1904-1966) den kurze Zeit später bereits legendär gewordenen Sportwagen. Ebenso geht auf einen Entwurf von ihm das bis heute verwendete Porsche-Markenzeichen zurück. Die Entscheidung, selbst als Autoproduzent am Markt aufzutreten, erforderte nach 17-jährigem Bestehen des von Ferdinand Porsche gegründeten Konstruktionsbüros eine Neuaus - richtung des Unternehmens. Der kompakte Sportwagen Porsche Typ 356 wurde ein Erfolg, die ersten 52 Exemplare mussten noch in Handarbeit gefertigt werden. Die Cabrios wurden in Salzburg gefertigt. Da sich die Versorgung der Produktionsstätte in Gmünd als schwierig erwies, übersiedelte Ferry Porsche die Produktion 1949 nach Stuttgart. Bereits im März 1951 verließ der 500. Porsche 356 das Werk, im August lief schon das 1.000. Exemplar vom Band.

Damit legte Ferry Porsche den Grundstein zur Herstellung erfolgreicher Sport- und Rennwagen, wobei er einerseits die Konstruktionsprinzipien übernahm, die sein Vater beim Volkswagen - wie luftgekühlter Boxermotor im Heck - anwendete, und andererseits die Renntradition weiterführte, die sein Vater im Jahr 1900 begründet hatte. Einen weiteren Meilenstein stellte der von Ferry Porsche mit Heinz Nordhoff (1899-1968), Generaldirektor von Volkswagen, ausgehandelte Vertrag dar, in dem eine Lizenzgebühr für jeden gebauten Volkswagen Käfer, der Bau eines Sportwagens auf Basis des Käfers vereinbart wurde und sich Porsche andererseits verpfl ichtete, Konstruktionsaufgaben für Volkswagen zu übernehmen. Weiterer wichtiger Punkt dieser Vereinbarung betraf die Öffnung des Volkswagen-Vertriebs- und Servicenetzes für das Porsche-Sportwagenprogramm. Der zwischen der Firma Porsche und dem Volkswagenwerk unterzeichnete Vertrag sicherte somit die Entwicklung der Sportwagenproduktion in Stuttgart als auch den Automobilhandel.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1951 übernahmen Ferry Porsche und Louise Piëch die alleinige Verantwortung und führten die beiden Unternehmen als Geschäftsführer bis zur Umwandlung der Porsche KG in eine AG im Jahre 1972. Danach war Ferry Porsche weiterhin als Aufsichtsratsvorsitzender prägend tätig, ab 1990 als Ehrenvorsitzender. Bis heute wird die Marke Porsche mit der von ihm begründeten sportlichen Tradition und dem auf den Ur- Porsche verweisenden unverwechselbaren Design assoziiert.

Ferry Porsches innovatives Engagement für die Weiterentwicklung des Automobils wurde mit zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen gewürdigt. Im Jahr 1965 verlieh ihm die Technische Hochschule Wien die Ehrendoktorwürde, 1984 das Land Baden- Württemberg den Titel eines Honorarprofessors. Porsche war unter anderem Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich (1975), des Großen Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland mit Stern (1979), der Bürgermedaille der Stadt Stuttgart (1989) sowie Ehrenbürger der beiden Städte Zell am See (1981) und Wiener Neustadt (1994).