Alfred Kastler

Als im Jahr 1966 Alfred Kastler den Nobelpreis für Physik erhielt, wurde er für die Entdeckung und Entwicklung von optischen Methoden beim Studium der Hertz-Resonanzen in Atomen geehrt. Er fand durch seine Forschungen ein neues Verfahren, um die Wechselwirkungen zwischen dem Atomkern und dessen Elektronenschale und den damit verbundenen Reaktionen zwischen Atomen und Molekülen sowie auch die entstehenden Strahlungen bestimmen zu können.

Seine bahnbrechendste Entdeckung, auch in Hinblick auf deren praktische Anwendungsmöglichkeiten, war das "optische Pumpen". Dadurch konnten beispielsweise extrem schwache Magnetfelder gemessen werden. Weiters diente es auch als Grundlage für die Entwicklung von Maser und Laser. Mit seiner Methode wurden Atome mit Licht solcher Frequenzen angestrahlt, die von den Atomen absorbiert werden und zwischenzeitlich einen Zustand hoher Energie erreichen, bevor sie ihrerseits wieder Licht aussenden.

Bei der Kombination des "optischen Pumpens" mit Verfahren der Hochfrequenztechnik führte die aufgrund der magnetischen Wechselwirkung zwischen Elektronen und Atomkern beruhende Aufspaltung der Energiezustände eines Atoms dazu, dass Messungen gemacht werden konnten, die um vieles präziser als zuvor waren. Darauf aufbauend kam es zur Herstellung von Atomuhren, die weit präzisiere Messungen als bis dahin erlaubten.

Kastler absolvierte seine naturwissenschaftliche Ausbildung an der Ecole normale supérieure in Paris. Anschließend arbeitete er zwischen 1926 und 1933 als Mittelschullehrer, wurde aber bereits 1931 Assistent für Physik an der Universität Bordeaux, wo er von 1938 bis 1941 auch als Professor wirkte. 1941 wurde er Leiter der "groupe de spectroscopie hertzienne" an der Ecole normale supérieure und wenig später Assistenzprofessor. Die Berufung zum ordentlichen Professor erfolgte im Jahr 1945. Von 1945 bis 1968 lehrte er als ordentlicher Professor an der naturwissenschaftlichen Fakultät. Er wurde 1968 emeritiert. Seit 1958 war er Mitglied des Centre national de la recherche scientifi que (C.N.R.S.) und von 1968 bis 1972 dessen Forschungsdirektor.

Kastler war Mitglied der Französischen Akademie der Wissenschaften, der Deutschen Akademie der Wissenschaften sowie gleicher Institutionen in Polen, Indien und den Niederlanden. Er erhielt zahlreiche Ehrendoktorate verliehen, war Offi zier der französi schen Ehrenlegion und Grand Offi cier de l`ordre national du Mérite.