Hans Tuppy

Der Exner-Laureat zählt zu Österreichs Spitzenwissenschaftern und war auch langjähriger Geschäftsführer der Wilhelm-Exner-Medaillen- Stiftung. Schon als junger Forscher entschlüsselte er während eines Aufenthalts in Cambridge 1949 mit Frederick Sanger, der Im Jahr 1958 den Nobelpreis erhielt, die Struktur der Aminosäurensequenz, was zur Folge hatte, dass die B-Kette des Insulins ermittelt werden konnte.

Die Entdeckung gilt als Meilenstein in der Geschichte der Bio chemie, denn viele Biochemiker waren davon überzeugt, dass Pro teine eine periodische Struktur hätten. Tuppy und Sanger widerlegten diese Ansicht, denn sie wiesen die Aperiodizität der Insulinkette nach. In den folgenden Jahren, die Tuppy in Wien forschend verbrachte, gelangen ihm weitere weitreichende Entdeckungen.

Gemeinsam mit Herbert Michl konnte er die Aminosäurensequenz des Hypophysenhormons Oxytocin, das die Kontraktion der Gebärmutter steuert, aufklären. Dies ermöglichte die synthetische Herstellung und den Einsatz als kontraktionshemmendes Mittel in der Geburtshilfe. Darüber hinaus bestand ein weiterer Vorteil dieser Entdeckung darin, dass Schwangerschaften auch schon in einem sehr frühen Stadium erkannt werden können.

Tuppy wirkte ab dem Jahr 1958 als Professor für Biochemie an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Ihm und seinem Team gelang Anfang der 60er Jahre eine weitere bahnbrechende Entdeckung. Er konnte zeigen, dass auch außerhalb des Zellkerns, in den so genannten Mitochondrien, genetische Information nachgewiesen werden kann. Einen weiteren Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit bildeten die Forschungen an den Derivaten der Neuraminsäure. Ziel war es, Hemmer des Enzyms Neuraminidase zu fi nden, die zur Behandlung von Virusinfektionen wie zum Beispiel Grippe von Bedeutung sind.

Zusätzlich zu seiner wissenschaftlichen Arbeit engagierte sich Tuppy aber auch in der Politik. Während der NS-Zeit war er im Widerstand aktiv, danach Mitbegründer der Freien Österreichischen Studentenschaft. Unter anderem war er in den 60er Jahren Mitglied bei der Hochschulreformkommission, an der Formulierung des Forschungsförderungsgesetzes des Jahres 1981 beteiligt und Mitbegründer des Biocenter Wien. Höhepunkt seiner politischen Karriere war das Amt des Wissenschaftsministers, welches er zwischen 1987 und 1989 ausübte, nachdem er zwischen 1982 und 1985 Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften war.