Friedrich Ludwig Bauer

Vielseitige Forschungsinteressen zeichnen den Informatik- Pionier Ludwig Bauer aus. So forschte er in den Gebieten Algebra, numerische Analysis, Programmiersprachen und -methoden, Software Engineering und Mathematische Logik. Darüber hinaus ist er Autor eines der grundlegenden Werke zum Thema Kryptologie. Er beteiligte sich bereits seit dem Jahr 1956 an der internationalen Kooperation, die zur Schaffung der Programmiersprachen Algol 58 und Algol 60 führte. Bauer engagierte sich sehr für die Anerkennung der Informatik als vollwertiges akademisches Studienfach. 1967 gab es erstmals spezielle Vorlesungen in Informatik an der TH München, 1972 wurde dort, als erster deutscher Hochschule, Informatik ein eigenständiges Studienfach.

Bauer studierte an der TH München Mathematik und Physik und schloss sein Studium mit der Promotion im Jahr 1952 ab. Während der Studienzeit hatte Siemens 1951 mit ihm einen Beratervertrag abgeschlossen, den er bis 1975 erfüllte. 1954 habilitierte er sich und wurde 1956 Professor und Direktor des Institutes für Angewandte Mathematik in Mainz, schließlich 1963 Professor für Höhere Mathematik und Direktor des Rechenzentrums der Technischen Universität München.

Seine 113 wissenschaftlichen Arbeiten und die drei Bücher beinhalten Leistungen von großer praktischer Bedeutung. Schon als Dozent hatte er zusammen mit Robert Plioty unter der Patronanz der Professoren Robert Sauer (1898-1970) und Hans Piloty die erste programmgesteuerte Rechenanlage Münchens installiert. Zwischen 1950 bis 1951 entwickelte er die 1956 fertiggestellte logische Maschine Stanislaus, 1953 reichte er ein Patent für fehlererkennende und -korrigierende Codes ein. Mit Klaus Samelson (1918-1980) schuf Bauer das Konzept des Stack, welches auch patentiert wurde. Bauer wurde dafür 1988 mit dem IEEE Computer Pioneer Award ausgezeichnet. Dieses Konzept ist vor allem für Kleinrechner besonders wichtig, da es formelgesteuertes Rechnen mit einem minimalen Speicheraufwand ermöglicht.

Bauer engagierte sich darüber hinaus auch maßgeblich in der zeitgenössischen musealen Präsentation der Informatik. So war er an der Konzeptionierung mehrerer erfolgreicher Ausstellungen im Deutschen Museum in Münchner beteiligt. Er betätigte sich unter anderem bei den Ausstellungen "Informatik und Automatik" (1988) sowie bei jener über Mikroelektronik (1990) und beim Mathematischen Kabinett (1999) als Kurator.