Hans Scherenberg

Schon früh zeigte sich Hans Scherenbergs Interesse, Dinge auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen, was naturgemäß zu einem Ingenieursstudium führte. Scherenberg, der an den Technischen Hochschulen Stuttgart und Karlsruhe studierte, trat 1935 als Oberingenieur bei der Daimler-Benz AG in Untertürkheim ein und avancierte im Jahr 1943 zum Gesamtleiter des Flugmotoren- Prüffeldes und stellvertretenden Versuchsleiter. Ab Kriegsende arbeitete er in verschiedenen Ingenieurbüros, in denen er auch Managementfunktionen übernahm.

Im Jahr 1950 präsentierte die Firma Gutbrod, bei der er tätig war, das Ergebnis von Scherenbergs Planungen, nämlich den Gutbrod Superior, der der weltweit erste Serienwagen mit Benzineinspritzung war. Der damalige Daimler-Benz-Vorstand Friedrich Nallinger, mit dem Scherenberg schon vor dem Krieg zusammengearbeitet hatte, holte ihn 1952 als Konstruktionschef für die Personenwagensparte in das Unternehmen zurück, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1977 arbeitete. Die 50er Jahre waren sowohl von den Erfolgen der Mercedes-Benz Rennsportwagen als auch von Scherenbergs richtungweisenden Entwicklungen geprägt.

So meldete er 1953 ein Patent "zum Verhindern des Blockierens der Fahrzeugräder beim Bremsen", die erste Version des Anblockiersystems Systems an, das 1978 zum digitalgesteuerten heute üblichen ABS führte. Darüber hinaus entwickelte er die Eingelenkpendelachse und stellte erfolgreich Überlegungen zur "Dampfblasenvermeidung im Kraftstoffsystem" an. Unter seiner Leitung kam es durch die neue Pontonbauweise mit Rahmenbodenanlage zu einem Paradigmenwechsel beim Bau von Rahmenfahrzeugen. 1956 erfolgte Scherenbergs Ernennung zum stellvertretenden Vorstandsmitglied. Er restrukturiere die Sparte Großmotoren, was zur Entwicklung der ersten 300 PS-Nutzfahrzeug-Gasturbine führte.

Scherenbergs Talente als Konstrukteur, Techniker und Manager entfalteten sich vollends als er 1965 zum Ordentlichen Vorstandsmitglied für Forschung und Entwicklung berufen wurde. 1970 beschäftigte er sich bereits mit der Abgasreinigung. Seiner Zeit weit voraus war er auch in Fragen der passiven Sicherheit, was sich in den Experimentier-Sicherheitsfahrzeugen und einem rollenden Labor manifestierte. Legendär sind auch das Wankel-Model C111 und Scherenbergs Turbodiesel-Rekordversion, die innovative Produkte eines Konstrukteurs sind, der zukunftsweisende Weichen für die gesamte Automobilindustrie stellte.