Erwin Plöckinger

Der Montaningenieur Erwin Plöckinger entwickelte bei der ehemaligen Alpine-Montangesellschaft und den nachmaligen Vereinigten Edelstahlwerken neue Schmelzverfahren, die den technologischen Vorsprung sicherten. Er nahm seine Tätig keit bei der Alpine-Montangesellschaft nach Abschluss des an der Deutschen Technischen Hochschule absolvierten Studiums der Technischen Chemie und seiner Ausbildung im Erzhüttenwesen an der Montanistischen Hochschule Leoben auf.

Rasch konnte Plöckinger wegweisende Erfolge auf dem Gebiet der Desoxydation erzielen. Darunter ist die prozessgesteuerte Entfernung des Sauerstoffs aus den metallischen Schmelzen zu verstehen, die für die Erzeugung hochreiner Stähle und Legierungen angewendet wurde. Als erstes großindustriell verwertbares Ergebnis der Weiterentwicklung des Umschmelzverfahrens kam es zur großtechnischen Anwendung des Elektroschlacke-Umschmelzens, das als "Böhler-ESU-Verfahren" international bekannt wurde.

Die Möglichkeiten des ESU-Verfahrens waren, was die Blockgewichte der Schmiedestücke betrifft, begrenzt. So konnten Blockstücke für Turbinen oder Generatorwellen nur bis zu einem Gewicht von maximal 50 Tonnen hergestellt werden. Auf Erwin Plöckinger geht das "Böhler-Electro-Slag-Topping-Verfahren" zurück, das die Herstellung von Blockgrößen von bis zu 100 Tonnen möglich machte und das zu dieser Zeit das weltweit beste Verfahren war.

Darüber hinaus war Plöckinger auch als Forscher auf den Gebieten der Schweißzusatzwerkstoffe, in der Pulvermetallurgie sowie in allen stahlrelevanten Fragen, die die Ausstattung von Kernkraftwerken betrafen, tätig. Plöckinger war auch als lehrender Wissenschafter aktiv, denn er folgte er im Jahr 1966 der Berufung an die Montanistische Hochschule Leoben. Die Professur übte er zusätzlich zu seinen Verpfl ichtungen als Leiter der Forschung und Entwicklung der Vereinigten Edelstahlwerke aus.

Zwischen 1982 und 1985 stand er der Österreichischen Akademie der Wissenschaften als deren Präsident vor. Unter den zahlreichen Auszeichnungen Plöckingers sind unter anderem die Auer-von- Welsbach-Medaille des Vereines österreichischer Chemiker und die Goldene Peter-Tunner-Medaille des Technisch-wissenschaftlichen Vereines "Eisenhütte Österreich" zu nennen sowie der im Jahr 1975 von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften verliehene Erwin-Schrödinger-Preis und das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.