Ladislaus von Rabcewicz

Weltweit werden mehr als 90 Prozent aller Tunnel nach der "Neuen Österreichischen Tunnelbauweise" ausgeführt, die auf ein Patent von Rabcewicz aus dem Jahre 1948 zurückgeht. Dabei wird die durch Sprengung freigelegte Fläche im Berg unmittelbar nach dem Ausbruch durch ein Hilfsgewölbe aus Spritzbeton temporär gesichert. Dieses Verfahren nutzt die Fähigkeit des Gebirges, sich selbst zu tragen.

Da die Gesteinsmassen nämlich radial gegen den Hohlraum wandern und zugleich tangential zusammenrücken, entsteht in der unmittelbaren Umgebung des Tunnels eine Zone erhöhten Druckes. Die Abschirmung wird durch den Spritzbetonmantel bewerkstelligt, der in der Regel eine Stärke von 30 Zentimetern aufweist. Die Tunnelschale selbst wird erst später, wenn sich die Verformungen des umgebenden Gebirges gelegt haben, ausgeführt. Wann der Gleichgewichtszustand des Außengewölbes erreicht ist, wird durch Messung festgestellt. In regelmäßigen Abständen und an geologisch wichtigen Stellen werden Messquerschnitte angeordnet, bei denen sowohl die Verformungen des Tunnelumfanges und jene des umgebenden Gebirges als auch die Drücke auf die Spritzbetonverkleidung und in derselben während des ganzen Bauvorganges und noch viele Monate danach auf Bruchteile von Millimetern gemessen werden.

Ladislaus von Rabcewicz studierte an der Technischen Hochschule Wien und baute ab dem Jahr 1921 für die Niederländisch- Indischen Staatseisenbahnen Eisenbahnlinien in Java. In den Jahren 1928 bis 1931 war er in Südanatolien mit dem Bau der Eisenbahnlinie Keller-Diarbekir beschäftigt. Zwischen 1931 und 1932 war er technischer Bevollmächtigter für den Bau der Großglockner-Hochalpenstraße. Anschließend arbeitete er bis zum Jahr 1936 für den persischen Staat als Bauleiter bei der Errichtung im Eisenbahnbau. Von 1936 bis 1938 war er Chef der Bahnerhaltung der persischen Staatseisenbahn. Im Jahr 1940 wurde er an die Technische Hochschule Wien berufen, wo er bis 1945 wirkte.

Im Anschluss an seine Lehrtätigkeit war er in Österreich, Brasilien, Ägypten, der Türkei, Australien, Liberia und vielen europäischen Staaten tätig. Rabcewicz war Ehrendoktor der Technischen Hochschule Graz und der Montanistischen Hochschule Leoben. Ebenso verlieh ihm die Wiener Technische Hochschule die Ehrendoktorwürde und zeichnete ihn darüber hinaus mit der Johann-Joseph-Ritter-von-Prechtl-Medaille aus.