Klaus Oswatitsch

Wernher von Braun (Wilhelm-Exner-Medaille 1969) bezeichnete Klaus Oswatitsch als einen der "Bahnbrecher in der Überschall-Aerodynamik". Ein Großteil seiner wissenschaftlichen Forschungen sind den Fragen der Überschallströmung gewidmet, also Geschwindigkeiten über 1 190 Stundenkilometern. Er stellte dazu eine Reihe allgemeiner Sätze und Gleichungen auf und entwickelte für den Überschallantrieb sowohl theoretisch als auch experimentell den Stoffdiffusor, der in den USA als Oswatitsch-Diffusor bekannt ist.

Bereits mit 28 Jahren arbeitete er unter dem Nobelpreisträger Erwin Schrödinger (1887-1961) als Demonstrator am Institut für Theoretische Physik an der Grazer Universität. In den Jahren 1938 bis 1946 war er am Kaiser-Wilhelm-Institut für Strömungsforschung in Göttingen und als Dozent an der Göttinger Universität tätig. 1946 nahm er ein Angebot des Royal Aircraft Establishment in Farnborough an. 1947 wechselte er zu dem Bureau d`Etudes, einer Einrichtung der französischen Armee.

In den Jahren 1948 und 1949 hielt er Vorlesungen an der Universität in Freiburg Breisgau, und 1949 bis 1956 war er Dozent an der Technischen Hochschule Stockholm, Mitarbeiter am Flugtechnischen Institut und Konsulent bei den Saab-Flugzeugwerken sowie bei den schwedischen Turbinenherstellern De Laval und Stal. Auf Einladung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt gründete er das Institut für Theoretische Gasdynamik in Aachen, das er bis 1973 als Direktor leitete. 1960 folgte Oswatitsch einer Berufung an das Institut für Strömungslehre der Wiener Technischen Hochschule. Er wurde im Jahr 1980 emeritiert.

Oswatitsch beschäftigte sich unter anderem auch mit der schallnahen Strömung, die bei hohen Unterschallgeschwindigkeiten auftritt, und trug so zur Lösung von dadurch hervorgerufenen Steuerungsproblemen bei. Weiters beschäftigte er sich mit der Kondensation und den chemischen Reaktionen, die beim Wiedereintritt von Satelliten in die Erdatmosphäre auftreten. Ein weiterer Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit betraf Forschungen zum Lärm bei Überschallgeschwindigkeiten.

Der Exner-Laureat war Mitglied der Internationalen Akademie für Astronautik in Paris und der Deutschen Akademie für Naturforscher Leopoldina in Halle, Dr.-Ing. e. h. der Technischen Hochschule Karlsruhe und Inhaber des Ludwig Prandtl-Ringes der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt.