Siegfried J. Meurer

In den 50er, 60er und 70er Jahren galt Siegfried J. Meurer als einer der wichtigsten Entwickler von Dieselmotoren. Ehrenhalber wurde er auch als "Vater des Flüstermotors" bezeichnet. Er studierte an der Technischen Hochschule Dresden Maschinenbau und war dort bis 1938 Assistent. 1937 promovierte er über piezoelektrische Indikatoren als Messaufnehmer. Unterbrochen durch eine von 1946 bis 1950 währende Tätigkeit als Leiter der Thermodynamischen Abteilung des "Arsenal de l`Aeronautique" in Paris war er ab 1938 bei M.A.N. im Bereich Forschung und Entwicklung tätig.

Im Jahr 1962 wurde Meurer in den Vorstand berufen und war für die gesamte Forschung verantwortlich. Dazu zählten besonders auch die neugeschaffenen Unternehmensbereiche wie Urananreicherung, Raumfahrt, neue Verkehrssysteme und Umweltfragen. Bereits im Jahr 1933 wandte er sich Untersuchungen über die Gemischbildung und Verbrennung im Dieselmotor zu. Seine Überlegungen führten ihn zu einem neuen Gemischbildungsschema, das im Gegensatz zu der bisherigen Anschauung stand.

Beim Mittenkugelmotor (M-Motor), der 1954 präsentiert wurde, handelt es sich um einen speziellen Dieselmotor, bei dem die Vorkammer Bestandteil des Kolbens ist. Hierbei wird der Kraftstoff durch eine Einlochdüse tangential in eine kugelförmige Vertiefung im Kolben gespritzt. Im Unterschied zu bis dahin üblichen Dieselmotoren, bei denen der Kraftstoff tröpfchenförmig verdampft wurde, verteilt er sich beim M-Motor als Film an der Oberfl äche und dampft dann, mit steigender Motortemperatur entsprechend stärker, ab. Dadurch werden kurze Brenndauer, leiserer Gang und weniger Ruß erreicht. Diese Motoren wurden in den 1960er und 1970er Jahren serienmäßig eingesetzt und waren für damalige Verhältnisse sparsam, sauber und leise. Meurers Motoren wurden auch als Vielstoffmotoren bekannt, da sie alle gebräuchlichen Kraftstoffe, vom Leichtbenzin bis zum Schmieröl, mit dem damals besten Wirkungsgrad verarbeiten konnten.

Siegfried J. Meurer meldete während seiner aktiven Zeit 427 Patente auf dem Gebiet des Maschinenbaus an und erhielt für seine bahnbrechenden Forschungen zahlreiche Auszeichnungen. So im Jahr 1959 die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Karlsruhe, 1968 den Werner-von-Siemens-Ring, 1975 die James Watt International Medal, 1977 die Fellow Grade of Membership der Society of Automotive Engineers (SAE) und 1982 die Ehrendoktorwürde der University of Technology, Loughborough.