Guido Peter Pirquet

Unter den Wilhelm-Exner-Medaillenträgern ist Guido Pirquet der einzige, dem die Auszeichnung post mortem verliehen wurde. Er zählt neben dem in Siebenbürgen geborenen Hermann Oberth (Exner-Medaille 1969) und Franz Leo von Hoefft (1882-1954) zu den drei Raketenpionieren, die in Österreich geboren wurden. Pirquet, der an den Technischen Hochschulen in Wien und Graz studierte, wandte sich schon in den 20er Jahren der Weltraumfahrt und der Raketentechnik zu.

Zu dieser Zeit war Wien neben Berlin und Breslau eines der Zentren der Raumfahrtbestrebungen. In einem Sammelwerk über die Möglichkeit der Weltraumfahrt, das 1928 erschien, setzte er sich kritisch mit den zu lösenden Schwierigkeiten auseinander, die damals der Verwirklichung der Raumschifffahrt entgegenstanden. Gleichzeitig beschäftigte sich er aber auch mit Überlegungen zu interplanetaren Fahrtrouten. Er war der Erste, der das so genannte kosmonautische Paradoxon formulierte, das besagt, dass eine Raumfahrt zu den entfernten Planeten von einer Außenstation energetisch wesentlich leichter zu bewerkstelligen sei als von der Erde aus, da die Anziehungskraft sehr rasch abnimmt. Diese Außen station sollte nach seinen Überlegungen als bemannte Startplattform in mehreren 100 Kilometern Höhe die Erde umkreisen.

Um die Tragweite seiner Berechnungen ermessen zu können, ist zu bedenken, dass die damaligen technischen Voraussetzungen zum Bau von Raketen für den Besuch eines Nachbarplaneten noch nicht gegeben waren. Was aber in der Grundlagenforschung jener Zeit bereits verwirklichbar schien, waren Satelliten, die bloß das Verlassen des Erdgravitationsfeldes erforderlich machen. Pirquets 1928 veröffentlichte Flugbahn für eine Raumsonde zur Venus ist dieselbe, die auch von der ersten sowjetischen interplanetaren Sonde zur Venus benutzt wurde.

In Anerkennung seiner bahnbrechenden und visionären Forschungen erfuhr Pirquet eine Vielzahl von Ehrungen. So war er unter anderem Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Raketentechnik und Raumfahrtforschung, der British Interplanetary Society, der International Academy of Austronautics in Paris sowie Ehren präsident der Österreichischen Gesellschaft für Weltraumforschung. Ausgezeichnet wurde Pirquet mit der Hermann Oberth- Medaille, mit dem österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse sowie mit der Johann-Joseph-Ritter-von- Prechtl-Medaille der Wiener Technischen Hochschule.