Otto Kraupp

Der Exner-Laureat studierte an der Universität Wien Medizin und Chemie. Im Jahr 1950 trat er in das Wiener Pharmakologische Institut ein und habilitierte sich 1956 im Fach experimentelle Pharmakologie und Toxikologie. 1967 wurde er auf den neu errichteten Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie der Ruhr-Universität Bochum berufen, kehrte im Jahr 1971 als Ordentlicher Professor an das Wiener Pharmakologische Institut zurück, das er bis zu seiner Emeritierung 1992 leitete.

Die Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit von Kraupp betrafen einerseits die neuromuskuläre Erregungsübertragung und andererseits die Kreislaufpharmakologie. Zu Beginn von Kraupps Arbeiten über die neuromuskuläre Erregungsübertragung standen eingehende Studien über die Wirkungsweise von Stoffen auf die Übertragung vom motorischen Nerv auf die quergestreifte Muskelfaser. Diese Untersuchungen führten zur Entwicklung eines neuartigen, kurz wirkenden Muskelrelaxans, das sich in der Folge als ideales Mittel zur kurzfristigen Ruhigstellung der gesamten Muskulatur im Rahmen großer chirurgischer Eingriffe erwies.

Die besonderen Eigenschaften dieses Mittels beruhen auf dem Prinzip der Molekülverdoppelung, das von Otto Kraupp auch auf weitere Verbindungsklassen angewandt wurde. Die wirksamste Verbindung wurde mit Erfolg klinisch in die Therapie des Wundstarrkrampfes eingeführt. Andere Verbindungen fanden eine weltweite Verwendung in der Therapie des grünen Stars oder der nachoperativen Magen-Darmlähmung.

Der zweite Forschungsschwerpunkt, dem sich Kraupp widmete, lag im Bereich der Herzkranzgefäßdurchblutung. In Zusammenarbeit mit den ehemaligen Österreichischen Stickstoffwerken und dem Organisch-Chemischen Institut der Wiener Universität wurden wirksame Substanzen entwickelt, die sich unter anderem bei Durchblutungsstörungen des Herzmuskels und des Gehirns bestens in der klinischen Praxis bewährten.

Otto Kraupps wissenschaftliches Werk umfasst mehr als 200 Publikationen. Er wurde dafür unter anderem zum Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher "Leopoldina" gewählt. 25 Jahre lang war Kraupp verantwortlicher Redakteur der "Wiener Klinischen Wochenschrift" und auch langjähriges Mitglied des Obersten Sanitätsrates sowie des Arzneimittelbeirats und arbeitete überdies lange Jahre am Arzneimittelgesetz mit.