Heinz Zemanek

An der damaligen Technischen Hochschule Wien baute der Nachrichtentechniker Heinz Zemanek von 1956 bis 1958 das berühmte "Mailüfterl". Der Name ist darauf zurückzuführen, dass Zemanek, der 1954 bei Philips in Holland vorsprach, um eine Sachspende zu erhalten, 1000 Hörrohrtransistoren erhielt. Nachteil war aber deren auch für damalige Verhältnisse beschränkte Leistungsfähigkeit, was zum Namen "Mailüfterl" führte.

Der Rechner hatte äußerlich nicht viel mit heutigen Computern gemein: Ohne Bildschirm und Tastatur erfolgte die Ein- und Ausgabe über Lochstreifen, die Ausmaße waren mit mehreren Metern Länge und Höhe beträchtlich. Als erstes wurde eine neunstellige Primzahl berechnet, danach errechnete Zemanek für den Zwölfton- Komponisten Hans Jelinek (1901-1969) die Anzahl der Zwölftonreihen, in der einerseits jeder Ton genau einmal vorkommt, gleichzeitig aber auch jedes Intervall genau einmal vorkommt. Die Berechnung dauerte 60 Stunden. Um für die langen Rechenzeiten nicht ständig anwesend sein zu müssen, koppelte Zemanek den Hauptakkumulator des Rechners an das Telefon. Durch Anruf konnte festgestellt werden, ob der Rechner läuft.

Ab dem Jahr 1961 arbeiteten Zemanek und sein Team bei IBM. Er leitete das IBM-Labor bis zum Jahr 1976 und konzentrierte sich auf Programmiersprachen, er entwickelte die "Vienna Defi nition Language", die damals größte Programmiersprache, sowie in weiterer Folge die "Vienna Defi nition Method" und erlangte damit Weltruf. Als erstes IBM-Produkt entstand ein Telephon-Antwortgerät für Tabellenabfrage auf der Basis des von ihm entwickelten Vocoders, das in den USA gefertigt wurde. Zemanek studierte an der Technischen Hochschule Wien und erhielt 1944 seinen ersten akademischen Grad (DI). Im Jahr 1948/1949 nahm er ein Stipendium der französischen Regierung an der Sorbonne in Anspruch und wurde im Jahr darauf nach seiner Promotion Assistent an der Technischen Hochschule Wien. 1964 erfolgte seine Berufung zum Außerordentlichen und 1983 zum Ordentlichen Professor. Er emeritierte 1985, hält aber bis heute regelmäßig Vorlesungen an der Technischen Universität Wien.

Zemanek, der mehr als 500 Arbeiten publiziert hat, ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlichen Gesellschaften und erfuhr vielfache Ehrungen, so die Leonardo Da Vinci-Medaille der European Society for the Education of Engineers und die Oscar-von-Miller- Plakette in Bronze des Deutschen Museums in München.