Karl Ziegler

Der spätere Nobelpreisträger Karl Ziegler studierte an der Universität Marburg Chemie und schloss trotz einjähriger Kriegsverpfl ichtung bereits 1920, nach dreieinhalb Jahren, ab. Drei Jahre später habilitierte er sich in Marburg und bereits 1928 wurde er zum Außerordentlichen Professor an der Universität Heidelberg ernannt. Nach einer zweimonatigen Gastprofessur an der University of Chicago übernahm er im Jahr 1936 das Ordinariat für Chemie und das Direktorat des Chemischen Institutes an der Universität Halle.

Ab dem Jahr 1943 war er auch zugleich Direktor des Kaiser- Wilhelm-Institutes für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr. Ziegler nahm die Stelle am Kaiser-Wilhelm-Institut nur unter der Bedingung an, dass er weiter im gesamten Bereich der Kohlenstoffverbindungen forschen konnte. Die Ergebnisse seiner Grundlagenforschung führten dann auch zu völlig neuen industriellen Anwendungen und Verfahren. Beispielsweise zu Bleitetraethyl, das zu seiner Zeit breite Anwendung für die Verbesserung der Klopffestigkeit von Treibstoffen fand, die Herstellung primärer Fett alkalkohole aus Olefinen wurden Grundlage bei der Erzeugung von Waschmitteln und für den Korrosionsschutz, wie zum Beispiel das Aufbringen elektrolytischer Schutzüberzüge aus reinstem Aluminium auf Metallen. Höhepunkt von Zieglers Forscherlaufbahn war die Entwicklung und Entdeckung der metallorganischen Misch katalysatoren aus Aluminium- und Titanverbindungen im Jahre 1953, die als Ziegler-Katalysatoren sowohl die Wissenschaft Chemie als auch in besonderem Maße die chemische Industrie und deren Technologie verändern sollten.

Diese Katalysatoren haben große Bedeutung bei der Herstellung von Polyethylen und Polypropylen, die Grundlage vieler industrieller Massenprodukte sind und das Kunststoffzeitalter möglich werden ließen. So konnte Ethylen erstmals bei Normaldruck zu Poly ethylen polymerisiert werden. Zuvor war dies nur unter extremen Bedingungen (1 000 at Druck und Temperaturen von 200 Grad Celsius) möglich. Nach der Erteilung des Pionierpatents folgten Jahre einer raschen Entwicklung, die Karl Ziegler selbst in seinem Vortrag anlässlich der Verleihung des Nobelpreises im Jahr 1963 mit einer Explosion verglich. Der außerordentlich erfolgreiche Wissenschafter wurde vielfach anerkannt und gewürdigt, die höchste Auszeichnung, den Nobelpreis, erhielt er gemeinsam mit dem italienischen Chemiker Giulio Natta (1903-1979).