Hans List

Das Lebenswerk Franz Lists zeichnet sich sowohl durch wissenschaftliche als auch unternehmerische Erfolge aus. Nach Beendigung seines Studiums des Maschinenbaus an der Technischen Hochschule Graz erhielt List 1926 eine Berufung als Professor für Wärmekraftmaschinen, insbesondere Verbrennungsmotoren, an die Tongji-Universität in China. Er beendete seinen Chinaaufenthalt 1932, da er einer Berufung zum Vorstand des Institutes für Thermodynamik und Verbrennungskraftmaschinen an der Technischen Hochschule Graz folgte.

Während dieser Zeit entstand unter seiner Leitung eine Vielzahl von Zweitaktmotoren, Einspritzvorgängen in Dieselmotoren und Gasgeneratoren. List wählte den Ansatz, Ladungswechselvorgänge in Zweitaktmotoren rechnerisch zu verfolgen. Beispielsweise wurde ein in dieser Zeit entwickeltes Verfahren zur Untersuchung von Einspritzvorgängen zur Grundlage der nach dem Zweiten Weltkrieg von Anton Pischinger (1907-2003) entwickelten Einspritzpumpe. 1941 folgte List der Berufung als Vorstand des Institutes für Verbrennungskraftmaschinen. Er war an der Technischen Hochschule Dresden Nachfolger des von Sequenz in seiner Laudatio so genannten Altmeisters der deutschen Dieselmotorenforschung A. Nägel. Wiewohl List nach Ende des Zweiten Weltkriegs eine Berufung an die TH Aachen erhielt, kehrte er nach Graz zurück und widmete sich zunächst der Herausgabe und dem Schreiben weiterer Bände und Neuaufl agen des Sammelwerkes "Die Verbrennungskraftmaschine", das damals das weltweit größte Kompendium zu diesem Sachgebiet war. Lists vielbändiges Werk, das er bereits vor dem Krieg begonnen hatte, trug wesentlich zur internationalen Bekanntmachung österreichischer Motorenforschung und -entwicklung bei. Im Jahr 1946 gründete Hans List in Graz ein Ingenieurbüro, aus dem 1948 die "Anstalt für Verbrennungsmotoren Prof. Dr. Hans List" (AVL) hervorging. Wissenschaftliche Forschung über Dieselmotoren und Verbrennungskraftmaschinen sowie deren praktische Umsetzung waren die vorrangigen Treiber von Lists außerordentlich erfolgreicher unternehmerischer Tätigkeit. Das Unternehmen entwickelte sich rasch zu einem weltweit anerkannten Spezialisten in den Bereichen Motorenentwicklung, Mess- und Medizintechnik. Mehr als 1000 Patente sind Beweis der Innovationskraft des von Hans List geschaffenen Unternehmens, das seit dem Jahr 1979 von seinem Sohn Helmut List, der im Jahr 2003 mit der Wilhelm- Exner-Medaille ausgezeichnet wurde, geleitet wird.