Willibald Jentschke

Bereits einen Monat nach Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn konnte der damals 28-jährige Willibald Jentschke, er arbeitete als Assistent an der Wiener Universität, feststellen, dass die Energie der bei der Kernspaltung wegfl iegenden Atomtrümmer etwa 160 000 Elektronenvolt beträgt. Spätere Messungen zeigten, dass der Urankern auf ganz verschiedene Weise in zwei Teile gespalten werden kann und bei einigen Spaltungsprozessen Energien bis zu 200 000 Elektronenvolt je Kern auftreten können.

Zwei Jahre nach Kriegsende nahm Jentschke, der auch in Wien Physik studiert hatte, seine grundlegenden Forschungen zur Elementarteilchenphysik in den USA wieder auf. Er lehrte ab dem Jahr 1949 an der University of Illinois. Als Leiter des Kernphysischen Laboratoriums der Universität Illinois widmete er sich vor allem der Erforschung der Struktur des Atomkernes. Im Jahr 1956 wurde er als Universitätsprofessor für Experimentalphysik an die Universität Hamburg berufen. Er war 1971 bis 1975 Generaldirektor des Kernforschungszentrums CERN in Genf und danach bis 1980 wieder Professor in Hamburg.

Ab dem Jahr 1973 war Jentschke auch an der Entdeckung der "neutralen Ströme" beteiligt. Wiewohl Jentschke in der Grundlagenforschung tätig war, trugen seine Arbeiten zur weiteren Entwicklung der Elektronenbeschleuniger bei, die in der Industrie zur zerstörungsfreien Werkstoffprüfung genutzt werden können. Als Willibald Jentschke Mitte der 1950er Jahre einen Ruf an die Universität Hamburg erhielt, verknüpfte er die Annahme eines Lehrstuhls für Physik mit der Forderung nach Forschungsmöglichkeiten an einem modernen Teilchenbeschleuniger. Es war ihm ein besonderes Anliegen, auch in Deutschland Arbeitsmöglichkeiten für die Elementarteilchenphysik zu schaffen, an denen international anerkannte Wissenschaft durchgeführt werden konnte und kann. Aus dieser Initiative entstand im Jahr 1959 das Deutsche Elektronen- Synchrotron (DESY), ein nationales Forschungszentrum, finanziert von der Bundesrepublik und der Stadt Hamburg, an dessen Aufbau Willibald Jentschke wesentlichen Anteil hatte.

Schon sehr früh gelang es ihm bedeutende internationale Wissenschafter für die Mitarbeit bei DESY zu gewinnen, womit er den Grundstein für ein internationales Netzwerk legte, das bis heute die Gründungsideen Jentschkes fortführt, denn derzeit sind mehr als 3400 Wissenschafter aus rund 35 Ländern an DESY-Forschungen als Kooperationspartner beteiligt .