Sir Alastair Pilkington

Weltweit werden derzeit 95 Prozent der Flachglasproduktion nach dem von Alastair Pilkington in den 50er Jahren erfundenen Floatglasverfahren produziert. Nachteil der bis dahin üblichen Produktionsverfahren wie Walzen oder maschinellen Ziehens ist, dass die Oberfl äche des Glases beeinträchtigt wird. Dies hatte ein aufwändiges Bearbeiten mittels Schleifen oder Polieren zur Folge. Um diesen Mangel zu beheben, fasste Pilkington in den frühen 50er Jahren den Entschluss Glas auf ein Zinnbad in einem kontrollierter Prozess aufzugießen.

Infolge des niedrigen spezifi schen Gewichtes schwimmt die Glasschmelze auf dem Metallbad und kann sich frei ausbreiten. Die untere Oberfl äche des Glases wird durch die idealglatte Oberfl äche des Metalls gebildet, während sich die obere Oberfl äche des Glases durch die eigene Dichte glättet. Im weiteren Verlauf des Kühlvorganges erleiden diese Oberfl ächen keinerlei Schädigung, sodass sie weiter glatt und fehlerfrei bleiben.

Die Idee zu diesem Verfahren, nämlich flüssiges Zinn als Träger für die Produktion von Flachglas zu verwenden, hatte bereits Henry Bessemer (1813-1898) in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1902 erhielt William E. Heal ein US-Patent auf das Herstellungsprinzip. Dieses Patent wurde aber bis zu Pilkingtons Versuchen nie kommerziell genutzt. Wiewohl das Prinzip, nach dem Floatglas erzeugt wird, einfach scheint, war dessen Umsetzung ungemein kompliziert, dauerte sieben Jahre und verursachte Kosten in der Höhe von mehreren Millionen Euro. Pilkington arbeitete für den gleichnamigen damals britischen Glaskonzern, war aber mit den Eigentümern nicht verwandt. Während der von vielen Rückschlägen geprägten Entwicklungszeit wurde Pilkington immer wieder nach erfolgreichen Umsetzungsversuchen gefragt, alles was er dazu zu sagen hatte, war: "Wir kennen die Antwort auf diese Frage nur dann, wenn wir Erfolg gehabt haben." Als das Floatglasverfahren am 20. Januar 1959 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, löste dies eine Revolution in der Glasindustrie aus.

Alastair Pilkington wurde vielfach ausgezeichnet, so unter anderem mit dem Royal Society Mullard Award, 1969 erhielt er den John Scott Award von City Trusts in Philadelphia. Im Jahr 1970 wurde er geadelt und in das Central Advisory Council für Science and Technology berufen. Er war Ehrendoktor der Loughborough University, Fellow der Royal Society sowie des Institute of Science and Technology der Manchester University.