Hermann Oberth

Mit seinen Büchern "Die Rakete zu den Planetenräumen" (1923) und "Die Wege zur Raumschiffahrt" (1929) schuf Hermann Oberth die wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung von Raketen und die bemannte Raumfahrt. Angeregt durch das Buch "Reise um den Mond" von Jules Verne begann Oberth bereits als Schüler des Gymnasiums erste Raketendesigns zu überlegen. Schon 1917 entwickelte er Pläne für eine durch flüssigen Sauerstoff betriebene Rakete mit einer Reichweite von mehreren hundert Kilometern.

In seinen Werken beschrieb Oberth bereits fast alle Raumfahrtkonzepte, die bis heute Wirklichkeit wurden: von den ersten Raketen und Satelliten bis zur Landung auf dem Mond, von interplanetaren Raumsonden und von wieder verwendbaren Raumfähren bis zu einer international bemannten Raumstation. Wie kein zweiter Raumfahrtpionier erkannte Oberth auch die wirtschaftliche Dimension der Raumfahrttechnik sowie deren völkerverbindende Funktion. Die Anwendungsvorschläge, die er als Erster formulierte, reichen von Nachrichten- und Wettersatelliten über die geologische, landwirtschaftliche und geographische Erkundung aus dem All bis hin zu den Industriebasen in erdnahen Raumstationen und auf dem Mond, sowie der extraterrestrischen Nutzung der Sonnenenergie durch Weltraumspiegel. Im Jahr 1929 führte er erfolgreiche Versuche mit einem Raketenmotor für Flüssigtreibstoffe, der "Kegeldüse", durch, wobei ihm Studenten der TU Berlin assistierten. Einer dieser Studenten war Wernher von Braun, der ebenfalls 1969 die Wilhelm-Exner-Medaille erhielt.

Oberth galt als der Pionier, wie auch von Braun bestätigte: "Er war der Erste, der in Verbindung mit dem Gedanken einer wirklichen Weltraumfahrt zum Rechenschieber griff und zahlenmäßig durchgearbeitete Konzepte und Konstruktionsentwürfe vorlegte. Ich selbst verdanke ihm meine erste Berührung mit den theoretischen und praktischen Seiten der Raketentechnik und Raumfahrt." In der von Braun in Peenemünde vorangetriebenen Entwicklung der Raketentechnik kamen beim Bau der ersten Großrakete allein 95 von Oberths Erfi ndungen zur Anwendung. Er, der wie Braun nahtlos während der 40er und 50er Jahre an moderner Raketentechnologie arbeitete, war auch in den USA zwischen 1955 bis 1959 in Huntsville tätig, wo Braun zum Leiter des US-Raketenprogramms aufgestiegen war. Bereits 1959 publizierte Oberth sein Werk "Das Mondauto", in dem er die spätere Entwicklung vorwegnahm.