Wolfgang Gröbner

Als erstes Studium seiner Wahl belegte Gröbner, der während des Ersten Weltkriegs an der italienischen Front kämpfen musste, das Fach Maschinenbau an der TH Graz. Der tödliche Unfall eines seiner Brüder löste eine schwere seelische Erschütterung aus, die den Abbruch des Studiums zur Folge hatte. Gröbner startete 1929 neu an der Universität Wien mit dem Mathematikstudium, das er 1932 abschloss. Gröbners große wissenschaftliche Verdienste liegen in der Beschäftigung mit der Theorie der LIE-Reihen, durch die er eine nichtlineare Störungstheorie schuf, die sich als außerordentlich taugliches Instrument für die Berechnung in der Himmelsmechanik erwies.

Nach dem von ihm gefundenen Verfahren wurden an mehreren Hochschulen, darunter auch im Auftrag der NASA, unterschiedliche Aufgabenstellungen und Probleme der Himmelsmechanik, der Astronautik und der Reaktorphysik erfolgreich behandelt. "Gröbners Lösung erwies sich dabei als zugleich präzise und besonders elegant", wie Heinrich Sequenz in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung der Wilhelm-Exner-Medaille erwähnte, "denn ein solches Verfahren bringt großen Nutzen auf allen Gebieten der Technik und Industrie, wo es auf die Lösung von Differentialgleichungen ankommt."

Dies war Gröbner bereits im Jahr 1936 klar, als er an den Mathematiker Gustav Doetsch (1892-1977) schrieb: "Als eine der dringendsten Aufgaben für die theoretische Forschung würde ich die ansehen, systematisch die Untersuchung der nichtlinearen Differentialgleichungen aufzunehmen. Beinahe alle Probleme, wo man sich nicht mehr mit den allerersten Annäherungen begnügen darf, führen auf nichtlineare Differentialgleichungen und hier liegt fast noch gar nichts an theoretischer Forschung vor." Da Gröbner in den 30er Jahren keine Anstellung finden konnte, wirkte er als Privatgelehrter, der auch Kleinkraftwerke in Südtirol baute. Ab dem Jahr 1936 arbeitete er am Institut für angewandte Mathematik in Rom.

Da er als Südtiroler für Deutschland optierte, ging er nach Deutschland und baute ein Luftwaffeninstitut zur Anwendung höherer mathematischer Methoden auf. Die von Gröbner geleitete Arbeitsgruppe Industriemathematik erstellte Integraltafeln sowie Vergleiche der zu erwartenden Trefferwahrscheinlichkeit von MGs und Schrapnellen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Gröbner an die Universität Innsbruck berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1970 forschte und lehrte.