Max Ferdinand Perutz

Der Exner-Laureat des Jahres 1967 wurde 1962 zusammen mit seinem Kollegen John Cowdery Kendrew (1917-1997) für seine Arbeiten zur Bestimmung der Struktur des Blutfarbstoffs (Hämoglobin) mit dem Nobelpreis für Chemie geehrt. Der heutige Stand der Molekularbiologie wäre ohne die wissenschaftliche Arbeit von Max Perutz und Kendrow undenkbar.

Durch die Entschlüsselung der räumlichen Struktur des Blutfarbstoffes Hämoglobin schuf Perutz die Voraussetzungen für das tiefere Verständnis der das Leben konstituierenden und erhaltenden Mechanismen auf molekularer Ebene. Der spätere Gründer und - bis 1979 - Direktor des Institutes für Molekularbiologie des Medical Research Council (MRC) in Cambridge studierte an der Universität Wien Chemie.

Sein Lehrer Fritz Wessely (Wilhelm Exner-Medaillenträger 1966) machte Perutz auf die Arbeiten über Enzyme und Vitamine aufmerksam, die zu dieser Zeit an der Universität Cambridge stattfanden. Auf Vermittlung des damals schon international bekannten Wiener Chemikers Hermann Mark (Wilhelm-Exner-Medaillenträger 1934) kam Perutz zum Cavendish Laboratory in Cambridge, wo er dissertierte. Dort entdeckte er auch sein lebenslängliches Forschungsinteresse an der Entschlüsselung des räumlichen Aufbaus von Proteinen. Diese Fragestellung war damals eine der ganz großen ungelösten Probleme der Wissenschaft. Wissensstand dieser Zeit war, dass Proteine aus Aminosäuren aufgebaut sind, die sich zu langen Ketten verbunden haben, ungeklärt hingegen war deren dreidimensionaler Aufbau.

Perutz entschied sich das aus mehr als 10 000 Atomen bestehende Hämoglobinmolekül zu untersuchen, was aber die zeitgenössischen Wissenschafter für eine nahezu unlösbare Aufgabe hielten. Im Jahr 1958 war er am Ziel und es gelang ihm erstmals, brauchbare Röntgenkristallografi en zu erstellen. 1970 konnte Perutz auch die Funktionsweise des Blutfarbstoffes aufklären und er stellte fest, dass die Hämoglobinstruktur zu einem ersten Verständnis von Erbkrankheiten auf molekularer Ebene verwendet werden konnte.

In der 1947 von ihm und Kendrew gegründeten molekularbiologischen Forschungsgruppe des Medical Research Council forschten unter seiner Leitung insgesamt sechs Nobelpreisträger. Darunter befanden sich auch Francis Crick (1916-2004) und James Watson (1928), die Entdecker der DNA, sowie Georges Köhler (1946-1995), der Entdecker der monoklonalen Antikörper.