Karl V. Kordesch

Erfindungen rund um Batterien bestimmten das wissenschaftliche Leben von Karl Kordesch. Er hält rund 150 Patente und eines davon betrifft Alkali- Mangan-Batterien, die frei von Schadstoffen wie Cadmium und Quecksilber sind. Darüber hinaus sind sie weit energieeffi zienter als Zink Carbon Batterien und auch bei tiefen Temperaturen einsatzfähig. Rund 75 Prozent der derzeit erzeugten Batterien werden nach diesem Prinzip gefertigt.

Kordesch ist in Österreich in der breiten Öffentlichkeit nahezu unbekannt, doch in Nordamerika ist er einer der gefragtesten Energieexperten, wenn es um die zukünftige Energieversorgung geht. Dies deshalb, da er bereits in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts im Auftrag der NASA und der amerikanischen Armee in seinen Laboratorien an der Universität Ohio die Brennstoffzelle entwickelte. Zu dieser Zeit experimentierten aber auch andere Unternehmen wie beispielsweise der Automobilhersteller Ford mit der neuen Brennstoffzellen-Technologie.

Er selbst fuhr bereits 1967 ein ausschließlich durch eine Brennstoffzelle angetriebenes Motorrad. Mit knapp vier Liter Wasserstoff hatte es eine Reichweite von 300 Kilometern und erreichte eine Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometern. Drei Jahre später rüstete er einen Austin auf Hybridbetrieb, bestehend aus einer Brennstoffzelle und Elektroantrieb, um. Kordesch nutzte dieses Auto mehr als drei Jahre und war weltweit der erste Mensch, der ein Wasserstoffauto fuhr. Die Brennstoffzelle war im Kofferraum untergebracht, die Wasserstoffbehälter auf dem Dach.

In die USA kam Kordesch 1953 auf Einladung der amerikanischen Armee, die auf die nach seinem Studium der Chemie an der Wiener Universität entstandenen Forschungen aufmerksam geworden war. 1955 begann seine 22-jährige Zusammenarbeit mit dem Chemie-Hersteller Union Carbide. Gegen Ende seiner Zeit bei Union Carbide entwickelte er wieder aufl adbare Batterien und gründete 1986 in Kanada die Battery Technologies.

Zur Zeit der Gründung war Kordesch bereits seit elf Jahren wieder in Österreich und an der Grazer TU am Institut für Chemische Technologie anorganischer Stoffe als Professor tätig. Von Graz aus arbeitete er auch unter anderem mit der Europäischen Raumfahrtagentur (EDA) an der Entwicklung einer Brennstoffzelle für die bemannte Raumfahrt zusammen. Kordesch erhielt eine Vielzahl an Ehrungen, darunter auch das Ehrendoktorat der TU Wien, welches ihm im Jahr 1990 verliehen wurde.