Fritz Wessely

Die Verdienste von Wessely, der an der Universität Wien studierte, liegen auf mehreren Gebieten der organischen Chemie. Durch die näheren Untersuchungen der so genannten Leuch`schen Körper wurde erstmalig die Möglichkeit ihrer Verwendung zur Synthese hoch- und niedermolekularer Peptide, also von Eiweißstoffen beziehungsweise deren Bausteinen, aufgezeigt. Die Beschäftigung mit einer bestimmten Klasse leicht darstellbarer körperfremder weiblicher Sexualhormone führte in Zusammenarbeit mit der Industrie zur Entwicklung einer Reihe von pharmakologisch wichtigen Stoffen.

Wessely arbeitete während des Zweiten Weltkrieges mit dem Leuna-Werk zusammen und er forschte über die Chemie der Phenole des Braunkohlen- und Schwefelteeres. Diese Arbeiten führten zur Entwicklung einer nach ihm benannten Reaktion, die die Synthese einer großen Zahl von sonst nur schwer oder überhaupt nicht darstellbaren Verbindungen möglich machte. Weiters wurde von Wessely die Konstitutionsbestimmung einer Reihe von pharmakologisch wichtigen Naturstoffen wie beispielsweise der Cumarine, die in vielen Gräsern vorkommen, durchgeführt.

Viele von Wesselys Forschungsprojekten sind in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, insbesondere mit der österreichischen Industrie durchgeführt worden. So kooperierte er beispielsweise über Jahre hinweg mit den ehemaligen österreichischen Stickstoffwerken, der heutigen Agrolinz Melamine International in Linz. Wessely zeigte aber auch großes Engagement und Weitblick bei der Modernisierung des von ihm als Vorstand geleiteten Organisch- Chemischen Institutes der Universität Wien, wo er unter schwierigsten Verhältnissen Lehre und Ausstattung modernisierte und das Institut auch international etablieren konnte.

Seit 1948 war Wessely wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, seit 1957 korrespondierendes Mitglied der naturwissenschaftlichen Sektion der Akademie der Wissenschaften Bologna. 1959 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der New York Academy of Science gewählt und war seit 1962 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina Halle an der Saale. 1932 verlieh ihm die Akademie der Wissenschaften in Wien den Richard Wegscheider-Preis und im Jahre 1965 den Erwin Schrödinger-Preis. Im Jahr 1963 zeichnete die Schweizer Chemische Gesellschaft Wessely dadurch aus, dass sie ihn zu ihrem Ehrenmitglied wählte.