Adolf Pucher

Exner-Laureat Adolf Pucher gilt als einer der Großen unter Österreichs Bauingenieuren. Pucher, der an der Technischen Hochschule Graz studierte, arbeitete ab dem Jahr 1927 bei einem Grazer Bauunternehmen. Bereits zwei Jahre später kehrte er an die Technische Hochschule Graz zurück, wo er Assistent an der neu gegründeten Lehrkanzel für Eisenbeton wurde.

Während dieser Zeit schrieb Pucher seine Dissertation, die nach Fertigstellung als eines der grundlegenden Werke zur Berechnung doppelt gekrümmter Schalen galt. Nach seiner im Jahr 1932 erfolgten Promotion engagierte ihn 1934 aufgrund des Widerhalls, den die Dissertation in der Fachwelt fand, das Berliner Bauunternehmen Dyckerhoff und Widmann. Dort erregte er die Aufmerksamkeit des bedeutenden deutschen Stahlbeton- und Spannbetonbauforschers Franz Dischinger (1887-1953), der ihn für die Technische Hochschule Charlottenburg gewinnen konnte, wo er sich im Jahr 1938 auch habilitierte.

Im Jahr 1941 erfolgte seine Berufung an die TH Wien, wo er die Nachfolge des Wilhelm-Exner-Medaillenträgers des Jahres 1931, Rudolf Saliger, antrat. Im Jahr 1945 kam es zu einer Unterbrechung von Puchers Universitätskarriere und er wechselte in die Wirtschaft. Während der Jahre bis zur Wiederaufnahme seiner Tätigkeit an der Technischen Hochschule Wien, die im Jahr 1961 erfolgte, arbeitete Pucher als Prokurist der Grazer Baufi rma Ed. Ast & Co und war auch als Zivilingenieur tätig. An der TH Wien trat er die Nachfolge des Wilhelm-Exner-Medaillenträgers des Jahres 1953 Karl Girkmann an. Pucher arbeitete während seiner universitären Pause auch wissenschaftlich, so erschien 1949 das "Lehrbuch des Stahlbetonbaus" beim Springer Verlag, es wurde auch in das Spanische und Portugiesische übersetzt. Unter Fachleuten gelten manche Abschnitte dieses Werks, wie die Grundlagen der Theorie dünner Platten, der Einfl ussfelder, der Schalentragwerke sowie der Stabilität von Bogentragwerken, als bis heute aktuell.

Weiters publizierte Adolf Pucher im Jahr 1951 das damalige Standardwerk "Einfl ussfelder elastischer Platten", das, wie der Wiener TU-Professor Georg Valentin in einer Würdigung Puchers bemerkte, "lange Zeit die einzige Grundlage für die Bemessung von Brückenfahrbahnplatten war". Im Jahr 1966 übernahm Pucher wieder die Leitung des Institutes für Stahlbeton- und Massivbau an der Technischen Hochschule Wien, dem er bereits vor Kriegsende vorgestanden war.