Eduard Justi

Im Jahr 1929 promovierte Eduard Justi an der Universität Marburg und arbeitete danach an der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin. Er habilitierte sich im Jahr 1937 an der Universität Berlin für Physik, wurde dort 1942 Außer ordentlicher Professor, 1944 Ordinarius für Angewandte Physik in Posen und 1945 Ordinarius für Technische Physik an der Technischen Hochschule Braunschweig. Dort gründete er 1946 das Institut für Angewandte Physik, welches er bis 1974 leitete.

Zu Beginn seiner Forscherlaufbahn beschäftigte er sich damit, quantentheoretische Berechnungen von Gasen und Dämpfen im Spektrum zwischen tiefen und hohen Temperaturen zu erstellen. Justi eröffnete damit neue Möglichkeiten für die Verbesserung von Dampfmaschinen, Otto- und Dieselmotoren, chemischen Reaktionen, meteorologischen Problemen und solchen der inneren und äußeren Ballistik. Seine wissenschaftliche Arbeit bedeutete eine neue Epoche vieler Industriezweige insofern, als diese es erstmals ermöglichte, die schon lange bekannten Gesetze der Thermodynamik auch zahlenmäßig anzuwenden.

Von der theoretischen Thermodynamik gelangte Justi zur Physik und Technik der tiefsten Temperaturen, die er zunächst in Verbindung mit sehr starken Magnetfeldern benutzte, um an Eiskristallen das Zustandekommen der elektrischen Leitfähigkeit zu studieren. Tiefe Temperaturen wurden ebenso angewandt, um das zu dieser Zeit rätselhafte Phänomen der Supraleitung zu erforschen, welches darin besteht, dass der elektrische Widerstand bei einer tiefen Temperatur verschwindet und Strom als Dauerstrom kreist. Justi wandte sich in seinen späten Forscherjahren neuen, fossile Brennstoffe ersetzenden Technologien zu.

Abgesehen von Solarzellen war er auch ein Pionier der heute aktuellen Brennstoffzellen-Technik. Er initiierte im Jahr 1972 die Errichtung der damals einzigartigen Hochmagnetfeld-Anlage an der TU Braunschweig. Justi übte neben seiner Forschertätigkeit noch eine Vielzahl an Funktionen aus. So war er zwischen 1954 und 1959 Präsident der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, von 1952 bis 1956 Vorsitzender der Nordwestdeutschen Physikalischen Gesellschaft, und er war auch als Kurator bei der Physikalisch-technischen Bundesanstalt tätig. Justi war weiters Obmann für Energiedirektumwandlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, er engagierte sich als Mitglied des Kuratoriums der Volkswagenwerk- Stiftung und der Kommission für Weltraumforschung des deutschen Bundeswissenschaftsministeriums.