Rudolf Vogel

Gemeinsamkeiten, was die Vereinigung naturwissenschaftlicher und musikalischer Interessen betrifft, gibt es sowohl bei Rudolf Vogel als auch beim Wilhelm-Exner-Medaillenträger des Jahres 1986 Gerhard Dorda. Vogel spielte Geige und galt als exzellenter Zeichner, wie Heinrich Sequenz in seiner Laudation anmerkte. Dorda komponiert, beiden gemeinsam ist aber, dass sie als Wissenschafter Forschungen vorantrieben, die sowohl Grundlagen- als auch angewandte Forschung sind.

Vogel galt zu seiner Zeit als ein auch im internationalen Maßstab bedeutender Materialforscher und Metallograph. Ihm wurde nachgesagt, er sei ein Meister der qualitativen und quantitativen Beschreibung des Gefüges metallischer Werkstoffe. Ebenso erwähnte Heinrich Sequenz in seiner Laudatio, dass Rudolf Vogel zu den "stillen Gelehrten" zählt, der sich auch "in jungen Jahren nicht oft bei Kongressen gezeigt hat und für sich keine Werbung machte". Vogel, der an der Universität Göttingen Chemie studierte, habilitierte sich im Jahr 1913 und wurde 1922 vom Württembergischen Landesgewerbeamt mit der Einrichtung eines Forschungsinstitutes für Edelmetalle beauftragt. Im Jahr 1924 wechselte er nach Berlin an das ehemalige Kaiser-Wilhelm-Institut für Metallforschung, das 1923 nach seiner Umwandlung nun als Staatliches Materialprüfungsamt in Berlin-Dahlem firmierte.

Bereits im Jahr 1926 kehrte er wieder nach Göttingen zurück, wo er seine metallographischen Forschungen neuerlich aufnahm. Im gleichen Jahr erhielt er auch eine Berufung an die niedersächsische Bergakademie Clausthal, wo er Nachfolger des Professors für Eisenhüttenkunde und Gießereiwesen Bernhard Osann (1862-1940) werden sollte. Rudolf Vogel entschied sich aber in Göttingen zu bleiben und baute an der Universität Göttingen ab dem Jahr 1927 das Metallographische Laboratorium auf.

Während seiner 33-jährigen Tätigkeit in Göttingen machte Vogel aus dem von ihm geschaffenen Institut eines der Zentren seines Fachgebiets. Seine metallographischen Arbeiten schufen die Grundlagen für die technische Metallurgie, die wiederum von der Industrie aufgegriffen und umgesetzt wurden. In den 50er Jahren und frühen 60er Jahren wandte sich Rudolf Vogel neuen Forschungsschwerpunkten zu. Der Beginn der friedlichen Nutzung von Kernkraft sowie die ersten Erfolge in der Raumfahrt veranlassten ihn über Materialien zu arbeiten, die in diesen Gebieten zur Anwendung kommen.