Paul Harteck

Der österreichische Kernphysiker war einer jener Männer, denen nachgesagt wurde, dass sie während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland die Atombombe hätten bauen können, wenn genügend Mittel bereitgestellt worden wären. Harteck studierte an der Universität Wien von 1921 bis 1923 Physik und Chemie, wechselte danach an die Berliner Universität, wo er 1926 das Studium mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss. Er arbeitete ab dem Jahr 1928 am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie in Berlin-Dahlem bei Fritz Haber (Wilhelm-Exner- Medaille 1929), habilitierte sich im Jahr 1931 und war als Privatdozent an der Berliner Universität tätig.

In den Jahren 1933 bis 1934 forschte er als Rockefeller- Stipendiat bei Lord Rutherford (Wilhelm-Exner-Medaille 1936) in Cambridge. Zwischen 1934 und 1951 war er ohne Unterbrechung Mitglied des Lehrkörpers der Universität Hamburg, und zwar als Ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für Physikalische Chemie. Zeitweise war er gemeinsam mit Otto Hahn (Wilhelm- Exner-Medaille 1958) und Werner Heisenberg (1901-1976) auf dem Gebiet der Atomzertrümmerung in Berlin am Institut der damaligen Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft tätig. Die Alliierten, besonders die US-Physiker, interessierten sich nach dem Krieg sofort für ihn. Von 1948 bis 1950 bekleidete Harteck das Amt des Rektors der Universität Hamburg. 1951 ging er als Professor für physikalische Chemie und Kernphysik an das Rensselaer Polytechnic Institute nach Troy in New York, wo er als Distinguished Research Professor für physikalische Chemie forschte und lehrte.

Harteck arbeitete auf dem Gebiet der Dampfdruckmessungen, der Photochemie, des Hydrogen, der Thermodynamik, der Atomphysik, über hohe und tiefe Temperaturen, über Gaszentrifugen, über physikalische und chemische Probleme der Atmosphäre, über spektroskopische Untersuchungen und Strahlenforschung sowie über die Atmosphäre von Planeten wie beispielsweise der Venus.

Harteck war ab dem Jahr 1956 auswärtiges wissenschaftliches Mitglied der Max Planck-Gesellschaft, Mitglied der Bunsen- Gesellschaft und der Amerikanischen Gesellschaft für Chemie. Er veröffentlichte mehr als 200 wissenschaftliche Arbeiten und erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie beispielsweise im Jahr 1957 die nach dem belgischen Chemiker benannte Jean Servais Stas- Medaille oder das ihm im Jahr 1966 von der Universität Bonn verliehene naturwissenschaftliche Ehrendoktorat.