Lise Meitner

Als zweite Frau in der Geschichte der Universität Wien promovierte die Kernphysikerin Lise Meitner im Jahr 1906 in ihrem Hauptfach Physik über Wärmeleitung in inhomogenen Stoffen. Nach einer erfolglosen Bewerbung bei Marie Curie arbeitete Meitner ein Jahr lang am Institut für Theoretische Physik in Wien und wechselte im Jahr 1907 nach Berlin.

Dort begann die mehr als 30-jährige Zusammenarbeit mit Otto Hahn (Wilhelm-Exner-Medaillenträger 1958). Gemeinsam entdeckten sie 1909 den radioaktiven Rückstoß und in den Folgejahren auch diverse radioaktive Nuklide. In den Jahren 1912 bis 1915 war sie als erste Frau in Preußen Universitätsassistentin bei Max Planck. Ab 1912 war sie auch in der von Hahn aufgebauten radioaktiven Abteilung des neu gegründeten Instituts für Chemie der Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft tätig. Meitner arbeitete zunächst unentgeltlich, wurde jedoch 1913 Wissenschaftliches Mitglied des Kaiser- Wilhelm-Instituts für Chemie. In diese Zeit fällt die Entdeckung des chemischen Isotops Protactinium 231, die langlebige Form des bereits 1913 von Kasimir Fajans (1887-1975) und Otto H. Göhring (1883-1966) entdeckten 91. Elements.

Im Jahr 1918 erhielt Meitner erstmals eine eigene radiophysikalische Abteilung und wurde Leiterin der physikalisch-radioaktiven Abteilung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie. 1922 habilitierte sie sich und wurde 1926 als Außerordentliche Professorin für experimentelle Kernphysik an die Berliner Universität berufen. Im Jahr 1933 wurde Lise Meitner die Lehrbefugnis aufgrund ihrer jüdischen Abstammung entzogen, es war ihr möglich am nicht staatlichen Kaiser-Wilhelm-Institut mit Otto Hahn weiterzuarbeiten. 1938 musste sie fliehen. Sie setzte ihre Forschungen in Schweden fort. 1939 entwickelte Lise Meitner erstmalig die theoretischen Grundlagen der Kernspaltung, die Otto Hahn 1938 gemeinsam mit Fritz Straßmann erstmals praktisch durchgeführt hatte. Von ihr stammt auch der Begriff der Kernspaltung.

Lise Meitners Berechnungen waren es aber, die den Grundstein für die Entwicklung der Atomwaffen sowie die Nutzung der Atomenergie möglich machten. Als Pazifi stin weigerte sie sich, Forschungsaufträge für den Bau der Bombe anzunehmen, obwohl sie von den USA immer wieder dazu aufgefordert wurde. Ab 1947 leitete sie die kernphysikalische Abteilung des Physikalischen Instituts der TH Stockholm und hatte Gastprofessuren an amerikanischen Universitäten inne. 1960 übersiedelte sie nach Cambridge.