Eugène Freyssinet

In der Erfi ndung des Spannbetons liegt die hervorragende Leistung Eugène Freyssinets. Die Idee dazu hatte er bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts, im Jahre 1928 wurde das Verfahren patentiert und Freyssinet begann zum ersten Mal bei der Errichtung eines Bauwerks im Hafen von Le Havre in den Jahren 1933 bis 1935 die neue Technologie anzuwenden.

Freyssinet studierte an der Ecole Polytechnique in Paris und der Ecole Nationale des Ponts et Chaussees. In den Jahren 1905 bis 1914 war er im zivilen Straßenbau tätig. Während dieser Zeit beschäftigte er sich vorwiegend mit dem Entwurf und der Bauausführung von weit gespannten Bogenbrücken. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete er als Ingenieur für die Armee. Zusätzlich zu dieser Tätigkeit war er zwischen 1914 und 1929 technischer Leiter des Stahl- Beton-Unternehmens Limousin & Cie. In seiner dritten Arbeitsperiode widmete er sich ab dem Jahr 1929 der wissenschaftlichen Forschung und der Vervollkommnung der Spannbetonbauweise.

Schon sehr früh brachte ihn die Ausführung eines Versuchsbogens für die bei dem damaligen Stand der Technik sehr flachen Bogenbrücken über den Allier in Le Veurdre in der Auvergne mit einem Zugbande dazu, dieses als das erste Bauglied aus Spannbeton zu bezeichnen. Viele seiner sonstigen Erfi ndungen, wie beispielsweise das Gewölbe-Expansionsverfahren oder die Freyssinetschen Betongelenke, wurden Stand der Technik. Frühzeitig erkannte er auch die Ursache des Kriechens und Schwindens von Beton. Zur Ausgestaltung der Spannbetonbauart entwickelte er Maßnahmen für Verbesserung der Festigkeitseigenschaften des Betons und für Beschleunigung seiner Erhärtung, und er erforschte die Eigenschaften der Stähle mit hoher Streckgrenze und hoher Zugfestigkeit.

Kennzeichen von Freyssinets Tätigkeit ist, dass die ästhetische Qualität seiner Bauwerke sich aus der Spannung von Materialwirkung einerseits und dem bis an die Grenzen des zu seiner Zeit technisch Machbaren andererseits ergibt. Zu den bedeutenden Bauwerken, die Freyssinet entwarf, gehören unter anderem die Brücke über die Marne in Frankreich aus den Jahren 1947-1949, die Brücke zwischen Caracas und La Guaira in Venezuela aus den Jahren 1952-1953 und die Autobahnbrücke Nr. 10 am Flughafen Orly in Frankreich aus dem Jahre 1958. Freyssinets Brückenbauwerke fanden große Anerkennung sowohl bei Technikern als auch Kunsthistorikern, da er es verstand, sie funktional sowie ästhetisch zu gestalten, sie gleichzeitig schwebend und fest im Boden verankert erscheinen zu lassen.