Sir Howard Walter Florey

Die Tür zum Zeitalter der Antibiotika wurde aufgestoßen, als Howard Walter Florey und Ernst Boris Chain (1906-1979) an der Sir William Dunn School of Pathology in Oxford sich im Jahr 1938 entschlossen, alle von Mikroorganismen erzeugten antibakteriellen Stoffe, die bis dahin bekannt waren, systematisch zu untersuchen. Dieses zuerst als Grundlagenforschung geplante Vorhaben schuf die Voraussetzungen, dass bis heute Millionen von Menschen geheilt werden konnten.

Die beiden Forscher Florey und Chain fanden Penicillin bereits in den ersten drei von ihnen untersuchten Substanzen. Florey und Chain erhielten gemeinsam mit Alexander Fleming (1881-1955), der bereits 1928 die bakterientötende Wirkung des Penicillins beobachte, im Jahr 1945 den Nobelpreis für Medizin. Den Auftakt der Forschungstätigkeit von Florey bildeten Untersuchungen über das Entzündungsgeschehen sowie die Zirkulation von Kapillarblut und die Funktion der Lymphozyten. Wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Antibiotikaforschung waren für Florey schließlich seine Untersuchungen über die Lysozyme, die den entscheidenden Anstoß und den Ausgangspunkt für die gemeinsame Arbeit mit Boris Chain bildeten und schließlich zur Entdeckung des therapeutischen Wertes von Penicillin führten. Florey, dem als erstem Mediziner die Wilhelm-Exner-Medaille verliehen wurde, wuchs als Sohn eines Industriellen in Australien auf und ging 1922 als Rhodes-Stipendiat an das Magdalenen-College nach Oxford.

Seine weitere Studienzeit verbrachte er in Cambridge und am London-Hospital, bevor er als Rockefeller-Stipendiat in die Vereinigten Staaten ging. Im Jahr 1927 kehrte er nach Großbritannien zurück, war in Cambridge als Vortragender über spezielle Pathologie tätig und übernahm im Jahr 1931 eine Professur für Pathologie in Sheffi eld, ein Jahr später wurde er nach Oxford berufen. Ebenfalls im Jahr 1935 lud er den in Deutschland bereits bekannten Wissenschafter Boris Chain zu sich nach Oxford ein und begründete damit ihre fruchtbare Zusammenarbeit.

Florey wurde vielfach geehrt. So erhielt er 1945 die Lister Medal des Royal College of Surgeons of England, die Bercelius-Medaille in Silber der Schwedischen Medizinischen Gesellschaft, 1946 die Albert Gold Medal der Royal Society of Arts, 1947 die Goldmedaille der Royal Society of Medicine, 1957 die Copley Medal der Royal Society. Gekrönt wurde seine Laufbahn 1960 durch die Übernahme der Präsidentschaft der Royal Society, die er bis 1965 ausübte.