Erich Schmid

Der Ausgezeichnete war ein Pionier der Metallphysik, studierte an der Universität Wien Physik und Mathematik und schloss, unterbrochen durch den Einsatz im Ersten Weltkrieg, sein Studium 1920 ab. Im Anschluss an seine Dissertation "Über Brown`sche Bewegung in Gasen" entstanden während der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts vier Arbeiten, in denen die Brownsche Bewegung im Zusammenhang mit der Bestimmung der Ladung kleiner Teilchen nach der Ehrenhaft-Millikan-Methode untersuchte. Aktueller Wissensstand über die Formänderung von Metallkristallen zu dieser Zeit war, dass Änderungen durch das Abgleiten von Kristallteilen entlang bestimmter kristallographischer Ebenen in bestimmten Richtungen erfolgt, was mit dem Begriff Translation bezeichnet wird.

Nicht bekannt waren hingegen die Gesetzmäßigkeiten dieses Vorgangs. Erst mit dem von ihm entwickelten Schmidschen Schubspannungsgesetz wurde eine exakte Berechnung möglich. Schmid war ab dem Jahr 1922 am Kaiser Wilhelm-Institut für Faserstoffchemie tätig, wo er mit Hermann Mark (Wilhelm-Exner-Medaille 1934) und Michael Polanyi (1981-1976) zusammenarbeitete. Er konzentrierte sich in seinen weiteren Forschungen über die Metallkunde auf den Einsatz von physikalischen Methoden statt der bis dahin chemischen Methoden und gilt deshalb als einer der Pioniere der modernen Metallphysik. Im Jahr 1928 wurde Schmid Abteilungsleiter des Instituts für Metallforschung des Kaiser Wilhelm- Instituts in Berlin. Dort entstanden mehr als 50 Veröffentlichungen, die seine internationale Anerkennung begründeten.

1932 wurde er als Vorstand des Physikalischen Instituts der Universität Freiburg berufen. 1936 wechselte Schmid nach Frankfurt am Main und übernahm die Leitung des Metall-Laboratoriums in der Metallgesellschaft AG. Nach Kriegsende baute er das zerstörte Laboratorium der Vacuumschmelze AG in Hanau am Main auf. 1951 erfolgte die Berufung als Ordinarius und Vorstand des Physikalischen Instituts an die Universität Wien. Hier regte er weiterführende Arbeiten für Plastizitätsuntersuchungen an, die mit Ultraschall und bei tiefen Temperaturen durchgeführt wurden. Weiters war er auch einer der ersten Wissenschafter im deutschsprachigen Raum, der die Beeinfl ussung von Festkörpereigenschaften durch Bestrahlung untersuchte. Schmid erhielt zahlreiche Ehrungen und es wurde auch das Institut für Materialwissenschaft an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften nach ihm benannt.