Pier Luigi Nervi

In Bologna besuchte Nervi die Ingenieurschule und schloss im Jahr 1913 sein Bauingenieurstudium mit dem Diplom ab. Danach arbeitete er in der technischen Abteilung der Gesellschaft für Betonkonstruktionen in Bologna und Florenz. 1920 machte er sich selbstständig und gründete seine eigene Firma, die "Società Ing. Nervi e Nebbiosi", in der ab dem Jahr 1955 seine Söhne Antonio, Mario und Vittori mitarbeiteten. Nervi zählt zu jenen Ingenieuren, die umfassend, nämlich als Entwerfer, Tragwerksplaner und Berater tätig waren.

Erste internationale Aufmerksamkeit erregte 1931 der Bau des städtischen Stadions von Florenz mit 35 000 Plätzen. Dafür wählte er eine kostengünstige, sichtbare Betonkonstruktion mit weit auskragenden Wendeltreppen. Der Aufbau und die Konzeption des Stadions erwiesen sich als richtungweisend und wurden später immer wieder nachgeahmt. 1935 gewann er den Wettbewerb für Flugzeughallen in Orvieto, die 1938 fertig gestellt wurden. In den meisten seiner Bauten nutzt Nervi die Geometrie zu einer anderen Art von Schalenbauweise. Sie ist gekennzeichnet durch ein räumliches Gitterwerk aus Betonrippen mit aufgelegten Betonfl ächen, womit Nervi sowohl kostengünstige als auch ästhetisch ansprechende Lösungen gelangen.

Ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte seine Berufung auf den Lehrstuhl für Konstruktionstechnik und Materialkunde an der Architekturfakultät der Universität Rom, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1961 lehrte. In dieser Zeit erfand er auch den Ferrozement. Dabei handelt es sich um einen Verbundwerkstoff aus Zementmörtel mit hohem auf Maschendraht beruhendem Bewehrungsgrad, der für dünnwandige Flächentragwerke wie beispielsweise auch für den Bau von Booten eingesetzt wird. Von 1948 bis 1949 plante und konstruierte er eine Ausstellungshalle in Turin. Für die Umsetzung des Baus konstruierte Nervi ein fahrbares Rohrgerüst, für das er ein Patent beantragte.

Weitere bedeutende Konstruktionsleistungen sind der Festsaal der Chianciano Terme mit einem netzartigen Gewölbe (1950-1952), der Sitz der UNESCO in Paris (1953-1958) sowie das Pirelli-Hochhaus in Mailand (1955-1958). Eine ganz besondere Leistung stellen die realisierten Sportstadien für die Olympiade 1960 in Rom dar. Nervi hat zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen publiziert, darunter "Die Kunst und Wissenschaft des Konstruierens" (1945), "Die architektonische Sprache" (1950) sowie im Jahr 1963 "Neue Konstruktionen", welches ein Standardwerk wurde.