Josef Mattauch

Josef Mattauch promovierte 1920 in Wien zum Dr. phil. Im Anschluss daran war er mehrere Jahre als Assistent am III. Physikalischen Institut tätig. Ein Rockefeller-Stipendium ermöglichte ihm einen Aufenthalt in den USA. Bei Robert Andrews Millikan (1868-1953) an der University of Chicago beteiligte er sich an massenspektroskopischen Untersuchungen. Massenspektrometrie ist eine leistungsfähige analytische Technik, die zur Identifi zierung von unbekannten chemischen Verbindungen dient und die Struktur und die chemischen Eigenschaften von Molekülen nachweisen kann.

Nach Wien zurückgekehrt richtete Mattauch ein Laboratorium für das damals junge Gebiet der Massenspektroskopie ein, in dem er in Zusammenarbeit mit anderen Forschern eine wesentliche Verbesserung von Schärfe und Empfi ndlichkeit des massenspektroskopischen Nachweises von Isotopen erzielte. Damit rückte Mattauch zu den führenden Forschern auf dem Gebiet der exakten Atomgewichtsbestimmung auf. Mattauch wurde nach der Vertreibung Lise Meitners ihr Nachfolger in der physikalischen Abteilung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie und folgte im Jahr 1946 Otto Hahn als Direktor des Instituts nach. Dieses wurde, von Berlin nach Mainz verlegt, als Max-Planck-Institut für Chemie in die Max-Planck-Gesellschaft integriert. Nach Auslandsaufenthalten in der Schweiz und den USA konnten er und seine Mitarbeiter im Jahre 1952 mit Hilfe der Massenspektrographie bereits während des Kriegs begonnene Präzisionsbestimmungen von Isotopenmassen fortsetzen. So kam es zur exakten Messung der Kernmassen von Neutron, Proton und Chlor.

Später wurden empfi ndliche Massenspektrometer eingesetzt, um geringste Mengen von Edelgasen in Meteoriten zu bestimmen. Josef Mattauch trat 1965 von der Leitung des Instituts zurück, das er zu einem internationalen Zentrum der massenspektroskopischen Forschung gemacht hatte. Wiewohl Mattauch in der Grundlagenforschung tätig war, ist das Massenspektrometer in vielen industriellen Laboratorien ein unentbehrliches Hilfsmittel. Die in weiten Bereichen der Technik benutzten radioaktiven Isotopen haben eine außerordentliche Bedeutung und deren auch von Mattauch verbesserte Messbarkeit ermöglicht kostengünstigere, da effizientere Untersuchungen in industriellen Anwendungen. Josef Mattauch war 1957 einer der 18 Unterzeichner der so genannten "Göttinger Erklärung", die sich gegen eine Bewaffnung der deutschen Bundeswehr mit Atomwaffen aussprachen.