Edoardo Torroja

Als Pionier der Bauingenieurkunst begeisterte sich Torroja bereits in der frühen Entwicklungsphase des Stahlbetons für die Gestaltungsmöglichkeiten des neuen Baustoffs. Mit seinem Namen verbindet man vor allem den virtuosen Umgang mit dem Baustoff Beton und den Bau gewagter Schalentragwerke. Insbesondere in diesem Bereich hat er entscheidende Impulse für die Umsetzung des Werkstoffs in gebaute Form gegeben. Torroja schrieb in Madrid und Algeciras Bauingenieurgeschichte, als er dort erstmals Betonschalen für die Deckenkonstruktionen verwendete.

Er zeichnete für zahlreiche brillante Ingenieurentwürfe verantwortlich, bei denen er die Möglichkeiten des Stahlbetons für die Gestaltung eindrucksvoller, extrem leichter und filigraner Tragwerke unter Beweis stellte. Sein Verständnis der Bauingenieurkunst beschränkte sich nicht auf die Technik, sondern stellte auch die über den Beruf hinausgehende Verantwortung des Ingenieurs als Formschaffender und Gestalter in den Vordergrund.

Torroja machte 1923 sein Diplom an der Madrider Universidad Politécnica. Bereits zwei Jahre später errichtete er das nach dem Prinzip der Betonschalen geschwungene Dach für die Pferderennbahn im katalanischen Zarzuela. Danach folgte eine Vielzahl von Brücken, Aquädukten und Wasserbehältern, aber auch öffentlichen Bauten wie die im Jahr 1933 fertiggestellte Markthalle in der südspanischen Hafenstadt Algeciras. Fünf Jahre später wurde er als Professor an die Escuela Técnica Superior de Ingenieros de Caminos, Canales y Puertos in Madrid berufen. Internationale Wirkung erreichte er nicht nur durch seine Bauten, sondern auch durch das von ihm verfasste Standardwerk "Logik der Form". Das Werk zählt zu jenen seltenen theoretischen Schriften, die in anschaulicher Weise die Grundlagen des Tragwerksentwurfs behandeln. Neben seiner reichen Bautätigkeit gründete er das "Instituto Técnico de la Construcción y Edifi cación", in dem er das gesamte Wissen seiner Zeit über den Stahlbeton und dessen Gestaltungsmöglichkeiten erforschte und dokumentierte.

Binnen kurzer Zeit erreichte das Institut internationale Geltung und führte schließlich zur Gründung der International Association for Shell and Spatial Structures (IASS). Als Pionier der Bauingenieurkunst entspricht Eduardo Torroja geradezu idealtypisch den Anforderungen, die an Wilhelm-Exner-Medaillenträger gestellt werden, nämlich sich der Förderung der Wirtschaft durch technische Innovation zu verschreiben.