Berta Karlik

Berta Karlik war Österreichs erste Universitätsprofessorin und die erste Frau, die mit der Wilhelm-Exner- Medaille ausgezeichnet wurde. Sie studierte von 1923 bis 1927 an der Universität Wien Physik und Mathematik und promovierte im Jahr 1928 mit Auszeichnung. Danach ging sie für einen einjährigen Studienaufenthalt nach Paris und London. In London arbeitete sie unter anderem bei Ernest Rutherford, der im Jahr 1936 mit der Wilhelm-Exner- Medaille ausgezeichnet wurde.

Der Wechsel nach Großbritannien wurde durch ein Stipendium der "International Federation of University Women" möglich gemacht. Nach ihrem Studienaufenthalt, der sie auch nach Paris führte, nahm sie wieder die Tätigkeit am Wiener Institut für Radiumforschung auf. In Anerkennung ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit wurde ihr im Jahr 1933 gemeinsam mit der am gleichen Institut tätigen Elisabeth Rona (1890-1981) der Haitingerpreis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften verliehen.

Drei Jahre später habilitierte sie sich mit ihrer Arbeit "Die Grenzen der Nachweisbarkeit der schweren Edelgase in Helium" und hielt bereits ab dem Studienjahr 1937/38 Vorlesungen an der Wiener Universität, an der sie 1940 eine Anstellung als Assistentin gefunden hatte. Im Jahr 1942 wurde sie als Dozentin bestellt. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie zusammen mit Traude Cless- Bernert und wies die Existenz des Elements 85 in der Natur nach. Damit schloss sie die letzte Lücke im periodischen System. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm Karlik die provisorische Leitung des Radiuminstitutes und sorgte für den Wiederaufbau und die Neuausrichtung des Instituts. Nahezu gleichzeitig, nämlich 1946, wurde sie zur Außerordentlichen Professorin berufen. Diese Professur wurde vier Jahre später in eine Ordentliche Professur umgewandelt.

Im Jahr 1956 war sie die erste Ordinaria der Universität Wien. Karlik war bereits früh auch als Netzwerkerin in Frauenfragen aktiv, denn auf ihre Initiative und die von Ilse Knapitsch geht die Neugründung und der Wiederaufbau des Verbandes der Akademikerinnen Österreichs zurück. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften wählte sie im Jahre 1954 als erste Frau zum korrespondierenden Mitglied im Inland - vor ihr war nur Lise Meitner als erste Frau im Jahre 1948 zum korrespondierenden Mitglied im Ausland gewählt worden - und im Jahre 1973, ein Jahr vor ihrer Emeritierung, als erste Frau zum wirklichen Mitglied.